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Meinung Ein „Grexit“ löst keine Probleme
Nachrichten Meinung Ein „Grexit“ löst keine Probleme
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20:01 17.04.2015
Von Marina Kormbaki
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Verbotene Worte verlieren ihren Schrecken, je häufiger sie fallen. „Grexit“ war lange Zeit ein solches Wort. Inzwischen aber, im Jahr sechs der griechischen Staatsschuldenkrise, steht die Debatte über einen Ausschluss Griechenlands aus dem Euro nicht mehr auf dem Index. Im Gegenteil: Man kann in diesen Tagen den Eindruck gewinnen, dass die Rede vom „Grexit“ auf manch einen sogar befreiend wirkt. So offen zirkulieren nun Planspiele für eine Währungsgemeinschaft ohne die Griechen – in den Finanz- und Regierungszentralen ebenso wie in Onlineforen und Kneipengesprächen.

Es wäre ja auch wirklich erlösend, wenn das Thema Griechenrettung nach zahllosen „Wochen der Wahrheit in Athen“ und „Schicksalsnächten in Brüssel“ endlich durch wäre. Wenn nach all den vergeblichen Anläufen der Euro-Gruppe zur Lösung der griechischen Geldsorgen jetzt mal Schluss wäre: Wir haben’s versucht, es klappt nicht, adieu, alles Gute für die Zukunft. Allein: Die Vorstellung eines solchen endgültigen Schlussstrichs ist illusorisch, zu eng sind dafür die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen. Auch würde ein „Grexit“ kein einziges Problem verschwinden lassen – weder für Griechenland noch für den Rest der Euro-Zone.

Griechenland, südöstlicher Pfeiler der EU und als solcher von geopolitischem Interesse für Europa, wird noch sehr lange von Krediten abhängig sein, um ebendiese bedienen zu können. Besonders da die Griechen auch bei Wiedereinführung der Drachme ihre Schulden ja in Euro zahlen müssten. Außer, die Euro-Regierungen würden die bisher geflossenen 240 Milliarden abschreiben, wofür wiederum ihre Wähler nur wenig Verständnis aufbringen dürften. Vor allem aber ist ein „Grexit“ keine Antwort auf die große Frage, wie die Euro-Zone als Club sehr ungleicher Mitglieder auf lange Sicht Bestand haben kann.

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