Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Beunruhigende Hektik
Nachrichten Meinung Beunruhigende Hektik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:12 24.01.2017
Von Hannah Suppa
Anzeige

Das deutsche Gesundheitssystem ist eines der besten und leistungsfähigsten der Welt. Und doch hakt es zuweilen – vor allem an den Schnittstellen. Wer heute aus dem Krankenhaus entlassen wird, steht oft zunächst allein da, den Arztbrief in der Hand: Was ist die richtige Folgebehandlung? Und wie ist das zu organisieren? Hier mangelt es zuweilen an Patientenführung – und das kann so nicht bleiben.

Der Fall aus Lehrte zeigt, dass Überlastung, Personalnot, schlechte Organisation und fehlende Kommunikation Konsequenzen haben. Beruhigend ist: Ärzte machen Fehler nicht mutwillig – und Fehler liegen statistisch im Promillebereich. Beunruhigend ist: Die Hektik im Medizinalltag wird nicht weniger.

Immerhin hat sich beim Thema Behandlungsfehler einiges gedreht. Es wird nicht bagatellisiert, Patientenbeschwerden werden ernster genommen, unabhängige Patientenfürsprecher sind seit einem Jahr in Niedersachsens Kliniken Pflicht. Und die Lernbereitschaft ist da: Dass in Lehrte und Wahrendorff nun neu organisiert wird, zeigt das. Das war nicht immer überall so.

Klar ist auch: Die Bürokratie in Ruhe nach Dienstende zu machen, offenbart die Absurdität des Systems. Die Tage vieler Ärzte und Pflegekräfte sind bereits jetzt überlang – und auch dadurch passieren Fehler.
Dabei ist der bürokratische Teil des Berufes ebenso wichtig für das Patientenwohl. Die Kommunikation reißt in der Folgebehandlung oft ab. Das muss nicht gleich drastische Folgen haben, eine ungenaue Übergabe kostet im besten Fall vor allem: Zeit. Es ist unverständlich, dass die elektronische Gesundheitskarte mit zum Teil klugen Ideen noch immer nicht voll im Einsatz ist. Ein Behandlungsfehler mag nur eine Stelle in der Statistik sein – dahinter steht ein Mensch.     

24.01.2017
23.01.2017
Meinung Leitartikel zum neuen US-Präsidenten - Trump ist kein Betriebsunfall
Hendrik Brandt 20.01.2017