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Meinung 4U9525: Ein Kürzel des Grauens
Nachrichten Meinung 4U9525: Ein Kürzel des Grauens
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00:18 27.03.2015
Von Jörg Kallmeyer
Flug 4U9525 ist abgestürzt. Die Ursachen werden untersucht.
Flug 4U9525 ist abgestürzt. Die Ursachen werden untersucht. Quelle: dpa
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Hannover

Das vergangene Jahr ist als schwarzes Jahr in die Geschichte der Luftfahrt eingegangen. Es gab eine beunruhigende Serie von Abstürzen - und am Ende einen traurigen Rekord mit fast 1000 Toten zu beklagen. Jetzt ist erst Ende März - und schon ist klar, dass es 2015 möglicherweise noch schlimmer werden wird. Nach MH17, MH370 und QZ8501 gibt es ein neues Kürzel des Grauens: Flug 4U9525 ist auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf abgestürzt.

Was nutzt an dieser Stelle der Hinweis auf die Statistik, die das Flugzeug im Vergleich zu anderen Transportmitteln noch immer als besonders sicher ausweist? Was hilft angesichts des Horrorbilder aus Frankreich irgendeine Rechnerei, die die Verluste des Jahres 2014 zu relativieren versucht?

Der Absturz von 4U9525 löst eine besondere Betroffenheit und auch besondere Ängste aus. Dieser Absturz ist nicht am anderen Ende der Welt geschehen, sondern mitten in Europa. Das Unglück trifft vor allem Deutsche, eine Schülergruppe aus Nordrhein-Westfalen war an Bord. Barcelona ist bei Familien ein beliebtes Ziel für einen Städtetrip in eine der quirligsten Metropolen Europas - die Katastrophe rückt beängstigend nah ans eigene Leben heran.

Der Absturz verunsichert auch deshalb so sehr, weil eine Fluggesellschaft betroffen ist, die als eine der sichersten der Welt gilt. Es gab bislang keinen Grund, an der Sicherheit von Lufthansa und ihrer Tochter Germanwings zu zweifeln. Und so lange man die Unglücksursache von Flug 4U9525 nicht wirklich kennt, sollte sich daran nichts ändern - selbst wenn bei Germanwings das Attribut „billig“ nicht weit ist.

Auch hier rückt die Statistik aus den vergangenen Jahren einiges zurecht: Von Abstürzen sind die Billigfluggesellschaften weniger betroffen als die renommierten Airlines. Billig darf nicht gefährlich sein - nirgendwo auf der Welt. Günstige Tickets müssen die Fluggesellschaften auf einem anderen Weg erwirtschaften als über Sparmaßnahmen bei der Sicherheit.

Die Germanwings-Maschinen werden gewartet von der Lufthansa-Technik, die weltweit einen besonders guten Ruf hat. Auch ein 24 Jahre altes Flugzeug wie die Unglücksmaschine muss unter diesen Bedingungen sicher sein. Oder hat der Preiskampf am Himmel vielleicht doch dazu geführt, dass man im Wartungshangar am Boden ein Auge zugedrückt hat? Sind die Germanwings-Flieger genauso gründlich nachgerüstet worden wie die Flugzeuge der teureren Lufthansa?

Gerade weil diese Fragen so schwer wiegen, ist nun eine schnelle und transparente Aufklärung des Unglücks von Flug 4U9525 gefordert. Die Luftfahrt hat, so traurig das auch ist, inzwischen eine professionelle Routine mit diesen Fällen. Sie steht unter einer besonderen Beobachtung, weil jeder Fehler im Cockpit oder jeder Mangel am Material oder den Instrumenten unmittelbar in die Katastrophe führen kann. Am Ende muss wenigstens die Gewissheit stehen, dass man alles menschenmögliche getan hat, um sie künftig zu verhindern.

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