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Meinung Nichts als Zumutungen
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00:16 27.05.2018
Clever nutzen Thümler und CDU-Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer die heillose Verwirrung im Reich Stefan Schostoks zum Versuch einer unfreundlichen Übernahme des Sprengel-Museums und der Herrenhäuser Gärten. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Es kommt in diesen Wochen knüppeldick für die hannoversche Kultur. Hier fehlt Geld für nötige Umbauten, dort fehlen Konzepte für die Bewerbung um den Titel der europäischen Kulturhauptstadt oder den aktuell ungenutzten Titel „Unesco City of Music“. Im Hintergrund tobt die nervtötende Abnutzungsschlacht zwischen dem Kulturdezernenten und seinem Oberbürgermeister. Zumutungen, wohin man sieht. Und nun meldet sich auch noch Landes-Kulturminister Björn Thümler (CDU) mit allerlei Ideen zur Neuverteilung von Geld und Kulturschätzen in der Stadt zu Wort.

Er tut das ohne Not, aber nicht ohne Geschick. Seine Ideen sind weniger spektakulär als der mit ihnen einhergehende Frontalangriff auf die kulturelle Arbeit im Rathaus. Clever nutzen Thümler und CDU-Landtagsfraktionschef Dirk Toepffer die heillose Verwirrung im Reich Stefan Schostoks zum Versuch einer unfreundlichen Übernahme des Sprengel-Museums und der Herrenhäuser Gärten. Im Gegenzug soll die Stadt sich wie schon vor 1992 am Staatstheater beteiligen.

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Man kann das so organisieren, Vor- und Nachteile lassen sich jeweils durchargumentieren. Aber wozu? Dieser vor allem politisch motivierte Verschiebebahnhof ist kein großer Wurf zur Aufwertung der Kultur in der Landeshauptstadt. Der Vorstoß des Oldenburgers Thümler schielt nicht zuletzt auf den Applaus im übrigen Niedersachsen.

Wollte er wirklich ein Zeichen in der einzigen Metropole Niedersachsens setzen, müsste er der (aktuell ja nun wirklich überforderten) Stadt anbieten, alle große Einheiten zu übernehmen und klug zu führen. Weil es um die Hauptstadt des Landes geht und Qualität auch qualitätsvolles Management braucht. Das wäre ein Ansatz. Aber auch eine andere Politik.

Von Hendrik Brandt