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Meinung Kein Ruck 
im Luther-Jahr
Nachrichten Meinung Kein Ruck 
im Luther-Jahr
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07:23 30.10.2017
Von Michael B. Berger

  Tatsächlich war der Reformationstag noch nie so beliebt wie heute. Kein Wunder: Ist er doch für dieses Jahr zum Feiertag erklärt worden, und verhilft er doch bei Nutzung des Brückentags am heutigen Montag vielen Menschen zu einem Kurzurlaub. In etlichen Bundesländern schließt sich noch der katholische Feiertag Allerheiligen an, sodass auf jeden Fall die Autobahnen voll sein dürften.

Wie ein Brückenschlag mutet auch das gesamte Reformationsjubiläum an, das sich der Hinwendung zur Ökumene verschrieben hat. Versöhnungsgesten und -gottesdienste allerorten, der erste in Hildesheim, Verbrüderung und Verschwisterung auf ganzer Linie. Wenn es so etwas wie ein protestantisches Bewusstsein geben sollte, das auch von der Differenz der evangelischen Christen zur großen katholischen „Mutter“ lebt, dürfte es nach dieser Reformations­dekade eher ins Unterbewusstsein gerutscht sein. Andererseits müssen angesichts der zunehmenden Säkularisierung die Unterschiede zwischen Protestanten und Katholiken in den Hintergrund treten. Insofern lag eine ökumenische Ausrichtung des gesamten Geschehens nahe. Da ist man einem Fundi im Kardinalsrock wie dem ehemaligen Chef der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller, geradezu dankbar, dass er zum Ende des Jubiläums noch einmal voll gegen den Reformator wetterte. Luther habe „sämtliche Prinzipien des katholischen Glaubens hinter sich gelassen“. Stimmt. Von Heiligen hat Luther ebenso wenig gehalten wie vom Marienkult. Und die Sakramentenlehre Roms hat er auf den Kopf gestellt. Entscheidende Unterschiede bleiben eben doch zwischen Protestanten und Katholiken.

Doch was bleibt von dem 150 Millionen Euro teuren Reformationsjahr – vom Playmobil-Luther einmal abgesehen? Und wie vielen Menschen ist eigentlich klar, dass die 95  Thesen Luthers etwas völlig Unpopuläres darstellten, nämlich einen Bußruf an die Kirche, an die Gesellschaft, an jeden Einzelnen?

Immerhin sind eine Reihe guter Bücher erschienen, auch manche sehenswerte Ausstellung wurde eröffnet und manche Kirche saniert. Doch ein wie immer gearteter protes­tantischer Ruck ist nicht durch die Gesellschaft gegangen. Und war ja auch gar nicht erwünscht. In Niedersachsen gibt es immerhin eine Diskussion um einen zusätzlichen Feiertag, denn in dieser Frage hinken die Protestanten den Katholiken zweifellos hinterher. Für freie Tage – möglichst ökumenisch – sind die Menschen in jedem Fall zu haben. Aber hat das noch etwas mit Luther und der Reformation zu tun?

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