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Meinung Neubau allein reicht nicht gegen Wohnungsmangel
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Kommentar zum Wohnungsmarkt: Neubau allein reicht nicht

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00:19 17.06.2019
Mangelware Wohnraum – hier ein Quartier in Hannovers Südstadt. Quelle: Tim Schaarschmidt (Symbolbild)
Hannover

Mit dem Wohnungsmangel ist es eine vertrackte Sache. Jahrelang wurde zu wenig gebaut, weil alle Studien prophezeit haben, dass die Bevölkerungszahlen in den Städten schrumpfen würden und sich Investitionen nicht lohnten. Wer aber jetzt eine neue Bleibe braucht, spürt am eigenen Leib: Diese Experten haben voll danebengelegen.

Fragt man Politik und Wohnungsbranche nach einem Ausweg aus dem Dilemma, dann heißt es meist: bauen, bauen, bauen. Nur der Neubau entlaste den Wohnungsmarkt und werde zugleich zur Entspannung bei den Mietsteigerungen beitragen. Das ist nicht falsch – aber auch nicht das Allheilmittel.

Fatal sind nämlich parallele Versäumnisse der vergangenen Jahre. Niedersachsen hat seine Landeswohnbaugesellschaft verkauft, die Nileg. Damit fehlt ein Instrument, auf Mieten direkt Einfluss zu nehmen. In der Landeshauptstadt etwa hat die städtische Wohnungsgesellschaft Hanova viel zu lange eigene Mietshäuser verkauft. Sie ist zwar größter Einzelvermieter der Stadt, hat aber nur noch gut 6 Prozent der 298.000 Wohnungen in ihrem Besitz. Die öffentliche Hand beraubt sich so ihrer Steuerungsmöglichkeiten.

Jetzt wird nachgebessert. In Hannover müssen seit Jahresbeginn in jedem Neubaugebiet 30 Prozent Wohnungen mit Preisdeckel gebaut werden. Dazu hebt die Stadt die Förderung für den Neubau von preiswertem Wohnraum an und will wieder mehr Belegrechte erwerben. Es ist ein mühsamer Weg, den Wohnungsmarkt zu entspannen. Aber er ist nötig, um den sozialen Frieden zu wahren.

Von Conrad von Meding

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