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Kommentar zur Autobranche: Schlechter Zeitpunkt für eine Krise

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00:19 15.06.2019
Mitarbeiter montieren Kotflügel an einen Volkswagen Golf im Karosseriebau im VW Werk Wolfsburg. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Die Minuszeichen sind mannigfach: In Argentinien wurden von Januar bis April 58 Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahreszeitraum, in der Türkei waren es 47 Prozent weniger und in Uruguay 21 Prozent. Auf diesen Märkten sind extreme Schwankungen nichts Ungewöhnliches. Unangenehm für die Hersteller ist jedoch, dass die dortigen Absatzzahlen dieses Mal als Beleg für einen weltweiten Trend taugen: Für die Autobranche geht es derzeit allgemein abwärts – und ein Ende der Talfahrt ist nicht absehbar.

Vor allem China war in der Vergangenheit ein Garant für stetiges Wachstum. Alle großen Autobauer haben im festen Glauben an einen fortwährenden Aufschwung ihre Kapazitäten ausgebaut und ihre Absatzstrategie maßgeblich auf die dortigen Kunden ausgelegt – auch die vorschnelle und einseitige Festlegung auf den Elektroantrieb für die Automobilität der Zukunft ist eine Folge davon. Nun aber schrumpfen in China die Neuwagenverkäufe seit zwölf Monaten. Versuche der Regierung, die Verkäufe mit Steueranreizen anzukurbeln, verpuffen bisher ergebnislos.

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Für die Hersteller kommt diese Krise zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Sie benötigen stabile Erträge, um ihre Modellpaletten und Fabriken fit zu machen für die Anforderungen des weitgehend abgasfreien und autonomen Fahrens. Die dafür nötigen Investitionen müssen noch mit herkömmlichen Autos verdient werden. Gelingt das für längere Zeit nicht, müssen sich die Belegschaften auf härtere Zeiten einstellen: Für Zukunftspakte mit üppigen Vorruhestandsregelungen könnte das Geld knapp werden.

Von Jens Heitmann