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Meinung Kasperle vor der Wahl
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21:10 13.09.2013
Von Gabi Stief
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 Es kann schon sein, dass nach dem 22. September alles beim Alten bleibt. Gut möglich, dass der Wahlabend nicht so spannend ist wie ein guter „Tatort“. Aber man kann das auch anders sehen. Nur dröge Politiker, die lange Vorträge halten? Geschenkt. War einmal. Der Unterhaltungswert steigt. Es wird geätzt, gespottet, gerempelt. Wie in einer Samstagabendshow.

Da gibt es zum Beispiel den Kanzlerkandidaten der SPD, der jetzt auf einem Foto rüpelmäßig den Mittelfinger in die Höhe reckt. Nein, die Geste gilt nicht Millionen Wählern, nur jenen, die ihn als „Problem-Peer“ verspotten. Aber die provokante Geste, festgehalten im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“, hat Showcharakter. Bemerkenswert ist vor allem die Wandlung des Kandidaten Steinbrück. Im vergangenen Jahr startete er als Hoffnungsträger, von dem viele Sozialdemokraten meinten, er punkte auch bei CDU-Wählern. Nach der Nominierung landete er auf der Verliererbank, weil ihm fast alles missglückte. Es folgte der weinende Steinbrück, der wirkte, als schleppe er sich gramgebeugt durchs Ziel. Beim TV-Duell mit der Kanzlerin wiederum meldete sich ein staatstragender Politiker in der Arena zurück, dem man durchaus Führung und Stärke zutraut.

Wann je 
fühlte man sich
 als Wähler ...

Und nun der Mittelfinger – die eigenwillige Pose eines Mannes, der als Finanzminister auch schon mal den Schweizern mit „Kavallerie“ drohte. Das Augenzwinkernde ist offensichtlich; die Chance, seinen Spöttern zu demonstrieren, was er von ihnen hält, gefiel ihm. Egal wie die Wahl ausgeht, Steinbrück, der Klartext-Redner, ist mit sich im Reinen. Manchem wird diese Pose unpassend erscheinen. Aber es wirkt seltsam geziert, wenn FDP-Chef Philipp Rösler Steinbrück nun doziert, dass sich dies nicht gehört, wenn man Kanzler werden will.

Denn was, bitte schön, bietet Herr Rösler an – übrigens als Chef einer Partei, die mal Wahlwerbung auf Schuhsohlen machte? Seriöse Antworten auf die Frage, wie Gesellschaft und Land in den nächsten Jahren vorankommen? Fehlanzeige. Die FDP verspricht „mehr Freiheit“ und freut sich, wenn sich Sozialdemokraten und Grüne danebenbenehmen. Mit Vorliebe ziehen Rösler & Co. über die anderen her, vornehmlich über die Grünen, die alle bevormunden oder – wie Rainer Brüderle feststellt – schlecht gekleidet sind wie Renate Künast. Es ist wie im Kasperletheater, in dem das grüne Krokodil immer der Bösewicht ist. Andere Themen? Die Liberalen pflegen das Motto: Alles ist gut; darüber müssen wir ja nicht mehr reden.

Wann je fühlte man sich als Wähler intellektuell so unterfordert wie in diesem Wahlkampf?

Die Methode des „Alles ist gut“ beherrscht Angela Merkel bis zur Perfektion. Rösler ist ihr Schüler, die Kanzlerin seine Meisterin. Dennoch verliert die Botschaft, dass Deutschland dank dieser Kanzlerin und der Union blendend dasteht, zunehmend an Glanz. Denn ohne Frage: Es gibt den Leiharbeiter, der seit zehn Jahren im gleichen Betrieb arbeitet. Und es gibt die Strompreise, die explodieren und viele Haushalte überfordern werden.

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unterfordert wie
 diesmal?

Doch was geschieht, wenn sich eine Partei tatsächlich auf Inhalte konzentriert; wenn sie über Steuerkurven und Energiewende redet? Die Grünen sind weniger für die Unterhaltungssparte da, mehr für die ernste Abteilung. Zur Tragik dieser Partei gehört es, dass sie im Grunde genommen für fast alle wählbar ist – nur nicht, wenn’s drauf ankommt. Seit Wochen sind Trittin & Co. in den Umfragen im Sinkflug. Je näher der Wahltermin rückt, desto eifriger wird anscheinend nachgerechnet, wie sich ein Sieg der Grünen aufs eigene Gehaltskonto auswirken könnte.

Bleibt die Frage: Was muss man tun, wenn man gewählt werden will? Vielleicht singen? SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hat es im Bundestag getan – und ist damit prompt zum Star im Internet aufgestiegen. Kürzlich trällerte sie dort ein Lied der Kinderbuchfigur Pippi Langstrumpf, um die Rede der Kanzlerin zu verspotten. „Ich mach’ mir die Welt, wide wide wie sie mir gefällt ...“ Das Kanzleramt schrieb jetzt an Nahles, dass man den Vergleich mit Astrid Lindgrens „Pippi“ als Lob verstehe. Man sei entzückt über das Kompliment, auch wenn es anders gemeint gewesen sei.

Wahlkampf kann also unterhaltsam sein. Und wenn man dann noch bedenkt, dass nach Ansicht der Experten die Fehlerquote der Umfragen steigt, weil es mittlerweile 50 Prozent Spätentscheider gibt, dann kann man mit Fug und Recht behaupten: Es wird spannend. Noch achtmal schlafen. Dann wählen gehen!

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