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Meinung Margit Kautenburger zum Klimagipfel
Nachrichten Meinung Margit Kautenburger zum Klimagipfel
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20:58 02.12.2012
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In Doha ist nun ein weiterer Tiefpunkt der Klimadiplomatie zu erwarten. Ein Durchbruch ist nicht in Sicht. Das angestrebte Folgeabkommen für das auslaufende Kyoto-Protokoll wird wieder nicht zustande kommen. Die Schwellenländer China und Indien wollen ihre Entwicklung nicht durch Vorgaben für den Klimaschutz behindern lassen. Sie sehen die Verantwortung bei den USA und Europa. US-Präsident Barack Obama kann sich jedoch im eigenen Land nicht durchsetzen. Und selbst bei den Pionieren der EU ist die Bereitschaft zur Verschärfung der Klimaziele in der Finanz- und Wirtschaftskrise gering. Kanzlerin Angela Merkel ist offenbar die Rettung der FDP vorerst wichtiger als die Rettung des Klimas. Sie lässt ihren liberalen Wirtschaftsminister Philipp Rösler gewähren, der die Wirtschaft vor weiteren Belastungen schützen will.

Kein Wunder, dass die Erwartungen an den Doha-Gipfel äußerst gedämpft sind. Der Kohlendioxidausstoß steigt weiter, das Zwei-Grad-Ziel, bis zu dem der Klimawandel noch beherrschbar sein soll, ist so nicht einzuhalten. Bestenfalls gelingt es, das in diesem Jahr auslaufende Kyoto-Abkommen zu verlängern. Das dürfte das Kohlendioxid-Aufkommen aber nur im Promillebe­reich beeinflussen. Denn die beteiligten Länder sind lediglich für 15 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Dennoch machen die Klimaschützer mit dem Selbstbetrug weiter. Es müsse endlich der Durchbruch gelingen, sonst schließe sich das Zeitfenster, innerhalb dessen die Welt noch zu retten ist, wird gewarnt.

Keine Frage, das Publikum ermüdet langsam. Was soll also der ganze Aufwand, wenn klar ist, dass nichts dabei herauskommen wird? Immerhin werden die Kosten des Treffens auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt, ganz zu schweigen von den Treibhausgasen, die der Konferenztourismus produziert.

Es ist an der Zeit, das Ritual zu durchbrechen. Wenn immer neue Misserfolge produziert werden, wenden sich die Menschen ab. Die Enttäuschung überwiegt, und mit ihr das Gefühl, man könne ohnehin nichts ändern. Zur Frustration haben auch jene Klimaforscher beigetragen, die in den Verdacht gekommen sind, dass ihnen auch unredliche Mittel zur Erreichung ihrer Ziele Recht sind. Seit „Climategate“, der Debatte um angeblich gefälschte Berechnungen, ist das Misstrauen gewachsen. Auch kommt es nicht gut an, wenn Kritiker pauschal als Klimaleugner und Agenten der Öl- und Kohlelobby abgekanzelt werden. Tatsache ist: Es ist noch immer vieles unklar beim Klimawandel, etwa der Einfluss der Wolken, der Sonnenzyklen, der natürlichen Variabilität. Das Klima ist komplexer als die Modelle der Wissenschaftler.

Hendrik Brandt 30.11.2012
Simon Benne 30.11.2012