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Meinung Margit Kautenburger zur Organspende
Nachrichten Meinung Margit Kautenburger zur Organspende
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22:10 27.07.2012
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Die Zweifel daran, ob es bei der Organvergabe mit rechten Dingen zugeht, sind berechtigt. Denn um einen bedauerlichen Einzelfall, wie Ärztevertreter glauben machen wollen, handelt es sich gewiss nicht.

Der Göttinger Skandal ist Ausfluss eines grundsätzlichen Fehlers im System. Wie die Ermittler inzwischen wissen, waren in Göttingen mindestens zwei Abteilungen an einer ganzen Reihe von Manipulationen beteiligt, die möglicherweise andere Patienten das Leben kosteten. Dass einer der Beteiligten schon früher wegen Organverschiebereien in Regensburg aufgefallen ist, aber von seiner Klinik gedeckt und am Ende sogar befördert wurde, ist abgründig.

Das alles kann nur funktionieren, weil öffentliche Kontrolle fehlt. Dies lädt geradezu zu Korruption und Missbrauch ein. 119 verdächtige Fälle hat die Prüfungskommission der Bundesärztekammer seit 1999 aufgelistet. Doch was genau passiert ist, welche Patienten wie benachteiligt wurden, welche Ärzte an welchen Rechtsbrüchen beteiligt waren und ob es Konseqenzen gab – all dies bleibt im Verborgenen. Insider vermuten beispielsweise, dass nicht nur Daten über Patienten gefälscht wurden, sondern auch Angaben über Organe.

Eine Leber, die als „nicht transportgeeignet“ gilt, lässt sich noch in der eigenen Klinik verpflanzen. Es gibt noch vieles aufzuklären, doch das muss auch gewollt sein. Ein Systemwechsel ist fällig. Die Kontrolle darf nicht länger einem geschlossenen System aus Vereinen und privaten Stiftungen überlassen bleiben. Sonst wird die Spendenbereitschaft weiter abnehmen.

Lars Ruzic 27.07.2012
26.07.2012
Dirk Stelzl 26.07.2012