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Meinung Matthias Koch zur Bonner Bombe
Nachrichten Meinung Matthias Koch zur Bonner Bombe
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00:15 19.12.2012
Von Matthias Koch
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 Wenn die Politik diesen bislang immer noch rätselhaften Fall diskutiert, sollte sie sich aller Reflexe enthalten – gerade mit Blick auf das bevorstehende wichtige Wahljahr.

Natürlich zeigt Uwe Schünemann einen fragwürdigen Reflex, wenn er schon wieder nach einer Gesetzesänderung ruft, diesmal mit dem Ziel, den Generalbundesanwalt schneller ins Spiel zu bringen. Doch es ist ebenfalls ein fragwürdiger Reflex, wenn einige sich mit Blick auf alles, was Schünemann sagt, spontan an die Stirn tippen. Schünemanns Hinweis auf die mangelnde Videoüberwachung in Bonn trifft doch ins Schwarze. Wenn die Bahn über Kameras verfügt, aber die Bilder nicht speichern mag, weil die Bundespolizei ihr dies nicht aufgegeben hat, und wenn sich dann am Ende Fahnder begierig über das Videomaterial von McDonald’s beugen, stimmt etwas nicht.

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Auch das Big-Brother-Gerede hat etwas Reflexhaftes. Warum soll nicht per Video festgehalten werden, wenn jemand an Bahnsteigen Koffer, Pakete oder Taschen stehen lässt? Man kann solche Daten nach jedem Tag, an dem nichts passiert ist, löschen. Absurd wird es, wenn private Konzerne immer mehr in Video- und Datensammlungen investieren, während der Staat in selbst gewählter Ahnungslosigkeit verharrt. Dann droht die übelste Kombination: mehr Big-Brother-Situationen für Normalos – und tote Winkel für Attentäter.