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Meinung Milde Strafe
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22:37 25.07.2010
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Im Westen, wo man derartige Rhetorik nicht gewohnt ist, löst Kim damit immer wieder Sorge oder zumindest Aufmerksamkeit aus. Wahr gemacht hat er seine Drohungen bisher zum Glück nicht – der „geliebte Führer“ ist rational genug, um zu wissen, dass ein Krieg mit dem Westen das Ende seines Regimes bedeuten würde.

Einen Flirt mit dem Ernstfall hat er sich allerdings nicht verkneifen können: Ende März ließ er – daran gibt es keine ernsthaften Zweifel – das südkoreanische Kriegsschiff Cheonan versenken, 46 Matrosen starben. Es war der schwerste militärische Zwischenfall seit Ende des Koreakriegs 1953. Die Rechnung bekommt Kim dieser Tage vor seiner Ostküste: Dort halten die USA und Südkorea ein großes Seemanöver ab, dem weitere folgen sollen. Es ist eine Rechnung, die Kim gerne bezahlt: Denn obwohl er abermals seine rhetorischen Kanonen ausfährt, weiß er, dass die Manöver wenig praktische Bedeutung haben. Dass die Alliierten Nordkorea militärisch haushoch überlegen sind, steht ohnehin außer Frage. Gleichzeitig gilt es auch als sicher, dass sie von dieser Übermacht nur Gebrauch machen würden, wenn Kim sich zu einer sehr viel größeren Provokation hinreißen lassen würde.

Für Kim war der Angriff auf die Cheonan womöglich ein diplomatisches Manöver – und zwar ein erfolgreiches. Denn der Fall hat Pjöngjang gezeigt, dass auf den großen Verbündeten China im Ernstfall Verlass ist. Im UN-Sicherheitsrat verhinderten die Chinesen, dass Nordkorea für den Untergang verantwortlich gemacht wird, und trotz massiven Drucks aus Seoul und Washington hat Peking in der Cheonan-Krise bisher nicht Stellung bezogen. Die Volksrepublik möchte vor allem die Stabilität in der Region wahren und den USA die Rolle des Stabilitätsgaranten streitig machen. Kim Jong-il versteht es, davon zu profitieren.

Bernhard Bartsch

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