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Meinung Mut und Mitgefühl
 gegen Ebola
Nachrichten Meinung Mut und Mitgefühl
 gegen Ebola
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21:06 26.09.2014
Von Susanne Iden
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Es gibt sie doch noch, die guten Nachrichten von Menschlichkeit und Einsatzbereitschaft. Innerhalb von drei Tagen haben sich 4500 Deutsche bei der Verteidigungsministerin zum freiwilligen Dienst an einem der gefährlichsten Orte der Welt gemeldet. Rund 3200 Soldaten und Reservisten, mehr als 1000 Zivilisten wollen Hilfe leisten: in Westafrika, wo das Ebola-Virus wütet. Sie sind Menschen mit Mut und Mitgefühl.

Das weiß auch Ursula von der Leyen. Und sie weiß es zu nutzen. Ein gutes Stück dieser Wärme strahlt auf sie zurück. Freiwillige zu gewinnen, die ohne ihren Aufruf vielleicht gar nicht daran gedacht hätten, in Afrika Leben zu retten – das ist eine Leistung der Verteidigungsministerin.

Zugleich aber liegt darin auch ein Eingeständnis des Versagens. Die Bundeswehr ist personell so knapp auf Kante genäht, dass sie selbst einen überschaubaren internationalen Kriseneinsatz nicht mehr aus eigener Kraft leisten kann? Das ist beschämend für das reichste Land Europas. Schließlich hält Deutschland seinen auf mehr militärisches Engagement dringenden Verbündeten immer entgegen: Wir setzen unsere Soldaten lieber hinter den Frontlinien ein, sind aber umso großzügiger bei der humanitären Hilfe. Jetzt scheint dies für den größten medizinischen Notfall der letzten Jahrzehnte nicht zu gelten – auch wenn der Weltsicherheitsrat ihn einstimmig zur Gefahr für Frieden und Sicherheit erklärt hat.

Dass der Ebola-Ausbruch derart verheerende Ausmaße annehmen würde, haben selbst Experten nicht erwartet. Schon früh aber warnten sie: Das Virus wird sich rasend schnell ausbreiten, wenn die medizinische Versorgung in den betroffenen Ländern nicht massiv aufgestockt wird. In Sierra Leone und Liberia, wo Ebola am heftigsten wütet, gibt es für zehn Millionen Menschen gerade mal 170 Ärzte. Mittlerweile kommen verhängnisvolle Kettenreaktionen in Gang: Viele Menschen sterben, weil die wenigen Ärzte sich um die Ebola-Krise kümmern, an vergleichsweise harmlosen Erkrankungen wie Malaria oder Blinddarmentzündung.

Der US-Präsident hat 3000 Soldaten samt Material für den Aufbau von 100 Kliniken in Marsch gesetzt, Japan will dem Beispiel folgen. Der Beitrag Deutschlands sieht da bislang eher bescheiden aus.

Deutschland könnte klüger helfen als bisher, schon durch eine neue Aufgabenteilung. Organisationen wie das Rote Kreuz oder Ärzte ohne Grenzen arbeiten längst vor Ort, sie sind erfahren in der Rekrutierung von Personal für Kriseneinsätze. Die Bundeswehr wiederum kann in kurzer Zeit die lebensnotwendigen Krankenstationen aufbauen, kann die lokalen Behörden logistisch und beim Schutz der vielen Freiwilligen unterstützen. Es geht nicht zuletzt auch um Sicherheitsfragen. Gerade erst sind in Guinea fünf Helfer ermordet worden, weil Dorfbewohner den fremden Weißen misstrauten. Ein Staat, der Zivilisten öffentlich zum Einsatz aufruft und sie dann in eine unsichere Situation schickt, kann sich schnell schuldig machen.

Den Freiwilligen selbst aber, Zivilisten wie Soldaten, die sich den Risiken stellen, gebührt allergrößter Respekt. Sie setzen in trüber Zeit ein leuchtendes Beispiel.

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