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Meinung Pelikan in Öl
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21:52 03.05.2010
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Auf das Herzland bunt-fröhlicher Feste und melancholischer Musik rollt der größte Ölteppich seit dem Untergang der Exxon Valdez vor Alaska zu.

Rund 800 Tonnen Öl strömen täglich aus dem Bohrloch auf dem Meeresgrund. Der klebrige Film bedroht Wale und Delfine, Wasserschildkröten, Seekühe und Alligatoren und unzählige Vogelarten, darunter auch den braunen Pelikan, das Wappentier des Bundesstaates Louisiana. Und auch die Menschen bleiben von den Folgen nicht verschont. Der Lebensunterhalt von Fischern ist bedroht, der Tourismusindustrie droht ein Einbruch – kurz, eine ökologische und ökonomische Katastrophe nie dagewesenen Ausmaßes bahnt sich an.

Solange eine Wiederholung droht,...

Wie konnte das passieren? Experten rätseln noch über die genaue Ursache des Unfalls. Klar ist, dass ein Sicherheitsventil versagt hat; der sogenannte „Blowout-Preventer“ soll eigentlich den Ölfluss im Falle eines Unglücks stoppen. Doch das System hat im Fall der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ nicht funktioniert.

Die Ölplattform als solche genügte den gängigen Sicherheitsstandards – und ist dennoch brennend versunken. Schon dies muss allen zu denken geben, die von einer sicheren Technologie sprechen. Das Hauptproblem indessen liegt weit unter dem Meeresspiegel: Das Geschehen in großer Tiefe erwies sich bis zum heutigen Tag als unbeherrschbar.

Hier muss mit neuer Sicherheitstechnik dringend nachgerüstet werden. Denn die Bohrer fahren von Jahr zu Jahr tiefer und tiefer: Die flachen Meere sind längst ausgebeutet. Die Konzerne scheuen keinen technischen und finanziellen Aufwand, auch schwer erreichbare Lagerstätten zu erschließen. Die dazu passende Vorsorge für den Katastrophenfall indessen hinkt dieser ausgefeilten Spitzentechnologie weit hinterher. Unfassbar ist, wie hilflos die Ölfirma BP angesichts der Katastrophe wirkt.

Die Ölförderung in derart großen Tiefen in empfindlichen Meeresgebieten ist unverantwortlich – zumindest so lange, bis die Unternehmen lückenlos nachweisen können, dass sie derartige Unfälle beherrschen. Zwar hat BP angekündigt, für alle Kosten aufzukommen. Doch das ist wohl das mindeste, was von einem Unternehmen zu erwarten ist, das allein in den ersten drei Monaten des Jahres einen Profit von 4,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet hat. Darüber hinaus muss die Politik dafür sorgen, dass Ölunfälle für die Firmen teurer werden. Wichtig wäre ein Fonds für den Schadensfall, gespeist aus den Gewinnen der Ölförderung, wie er ähnlich bereits für havarierte Öltanker existiert.

Das zerstörte Ökosystem lässt sich leider auch mit noch so hohen Schadensersatzzahlungen nicht wiederherstellen. Der ramponierte Ruf von BP allerdings auch nicht. Der klebrige Dreck, der die Küsten Louisianas und Floridas verseuchen wird, klebt künftig auch am Namen des Konzerns, der sich wie kein anderer um ein grünes Image bemüht hat.

... sind Ölbohrungen unverantwortbar

Auf dieses Image hat sich wohl zunächst auch US-Präsident Barack Obama verlassen. Zu lange hat er auf die Versicherung von BP vertraut, mit dem Schaden werde man allein fertig. Zu lange dauerte es, bis die US-Regierung selbst aktiv wurde und ein Krisenmanagement auf die Beine stellte. Der Umstand, dass BP die Katastrophe nicht in den Griff bekommt, fällt auch Obama auf die Füße.

In Washington wird nun befürchtet, für Obama könnte die Ölpest im Golf das werden, was für George W. Bush der Hurrikan „Katrina“ war, der Ende August 2005 New Orleans zerstörte – ein Symbol der Unfähigkeit des Präsidenten. Erschwerend hinzu kommt, dass Obama weiteren Ölbohrungen vor den US-Küsten gerade Tür und Tor geöffnet hat. Dahinter steckt ein fragwürdiger Deal, mit dem der Demokrat die Zustimmung der Republikaner für seine Klimaschutzgesetze erkaufen will. Dass ausgerechnet Obama, der bei Amtsantritt eine „grünere“ Energiepolitik angekündigt hat, der Öllobby in die Hände spielt, hatte zunächst Umweltschützer empört. Nun denkt auch Washington um und will neue Tiefseebohrungen so lange aussetzen, bis die Unglücksursache geklärt ist. Dies allein reicht nicht. Bleibt nach der Ölkatastrophe im Golf bei der Ölförderung alles beim Alten, ist die Glaubwürdigkeit von Obamas Energiepolitik dahin.

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