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22:56 01.08.2010
Von Ronald Meyer-Arlt

Nun gehört auch die Oberharzer Wasserwirtschaft dazu. Zusammen mit dem Rammelsberg steht sie jetzt auf der Unesco-Liste des Welterbes. Sie umfasst 890 Denkmäler in 148 Ländern, die alle von so außergewöhnlicher Bedeutung sind, dass sie als Bestandteil des Welterbes der ganzen Menschheit erhalten werden müssen.

Für den Oberharz ist das natürlich eine große Chance, denn er ist jetzt gleich doppeltes Welterbe. Bereits im Dezember 1992 wurden das ehemalige Erzbergwerk Rammelsberg und die Goslarer Altstadt von der Unesco in die Welterbeliste aufgenommen und gelten seitdem als Kulturerbe der gesamten Menschheit. Nun kommt noch die Wasserwirtschaft hinzu. Quedlinburg, etwas weiter südöstlich gelegen, steht als außergewöhnliches Beispiel für eine gut erhaltene mittelalterliche Stadt seit 1994 auf der Liste. In der Region erwartet den Besucher also ausgesprochen viel Welterbe. Aber erwartet die Region auch ausgesprochen viele Besucher? Und was bietet sie ihnen?

Der Harz muss besser …

Wer sich den Veranstaltungskalender des Rammelsberger Museums und Besucherbergwerks für diesen Monat anschaut, darf sich wundern. Es gibt recht viele Familienführungen („Dauer: anderthalb Stunden. Begrenzte Teilnehmerzahl. Um Anmeldung wird gebeten“) und nur zwei Sonderveranstaltungen. Am 29. August wird Dr. Klaus Stedingk vom Landesamt für Geologie in Halle an der Saale einen Vortrag über „Goethe an den Wurzeln der modernen Geowissenschaft“ halten, und beim landesweiten Festival für Neue Musik soll zwischen dem 19. und dem 21. August auch das Museum Rammelsberg Austragungsort von Konzerten sein. Im Veranstaltungskalender heißt es dazu lapidar: „Das genaue Programm sowie die Eintrittspreise werden zu gegebener Zeit veröffentlicht.“ Zu gegebener Zeit werden dann vielleicht auch mal ein paar Kulturinteressierte hier vorbeischauen.
Besucherfreundlichkeit sieht anders aus.

Anders auch als das, was die Internetseite „Harz.de“ bietet. Hier wird der Besucher gleich sehr geschäftstüchtig mit der Frage überfallen „Sie suchen eine Ferienwohnung, eine Pension, ein Hotel oder möchten ein Zimmer in einer Pension buchen?“ Nein, möchte man nicht. Am liebsten möchte man gleich wieder weiterklicken. Denn eigentlich wollte man sich nur ein bisschen informieren und nicht gleich in die „Ferienwohnung Britt“ in Bad Harzburg („50 Euro pro Tag inkl. Bettwäsche, Endreinigung 25 Euro“) geschickt werden.

Über den Harz lässt sich immer noch trefflich schimpfen. Gerade ist ein Büchlein des Kabarettisten und Autors Sebastian Schnoy über Deutschland erschienen. In „Heimat ist, was man vermisst“ besucht der Autor auch den Harz. Seinem Kapitel über die „Pension Gisela“ in Clausthal Zellerfeld hat er ein böses Zitat von Martin Walser vorangestellt: „Heimat ist der schönste Name für Zurückgebliebenheit“. Das Kapitel beginnt mit den Worten: „Ich dachte, ich hätte die wirklich schauerlichen Reiseziele schon als Teenager mit meinen Eltern abgeklappert.“

… mit seinen Pfunden wuchern

Schnoy erzählt von Wirten, die ihre Gäste anpflaumen, von Tassen, die umgedreht auf ihren Untertassen stehen, damit kein Staub hineinfällt, von dicker Auslegeware, muffigen Schränken und einem alten Grundig-Fernseher mit Zimmerantenne auf einem Häkeldeckchen.Über den Harz und Harzer Gastlichkeit kann man sich leicht lustig machen – aber leider liefert der Harz immer noch viele Vorlagen.

Mit dem Welterbetitel für die Oberharzer Wasserwirtschaft besteht jetzt wieder eine große Chance, das Marketing zu ändern und mit frischen Ideen, neuem Mut und großer Beharrlichkeit um mehr, um neues und um junges Publikum zu werben. Einfach ist das nicht. Denn die Konkurrenz ist groß und die Aufmerksamkeit der Zuschauer begrenzt.

Was also tun? Dass die Aktivitäten zur Vermarktung gebündelt werden sollen, ist sicher ein richtiger Schritt. Aber dass man den Namen „Oberharzer Wasserregal“ nun in „Oberharzer Wasserwirtschaft“ geändert hat, ist schon ein schlechtes Zeichen. Sicher, der neue Name mag historisch korrekt sein. Verlockend ist er leider überhaupt nicht.

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