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Meinung Warum der Reformationstag ein Feiertag mit kleinen Kratzern ist
Nachrichten Meinung Warum der Reformationstag ein Feiertag mit kleinen Kratzern ist
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19:31 19.06.2018
Es gab Streit um Luther, doch jetzt steht der Reformationstag als neuer Feiertag in Niedersachsen. Quelle: dpa
Hannover

Nicht bei allen Geschenken kommt sofort Freude auf. Diese Erfahrung macht in diesen Tagen auch Niedersachsens SPD-Ministerpräsident Stephan Weil. Zunächst hat er seinen Wählern einen neuen Feiertag versprochen – und ihn nun auch allen Niedersachsen beschert. Der Reformationstag soll es sein, was die Wirtschaft dahingehend tröstet, dass der 31. Oktober auch mal aufs Wochenende fällt. So wird, trotz aller öffentlichen Proteste, auch die Wirtschaft mit diesem Feiertag leben können. Für alle Beschäftigten ist er jedenfalls ein echtes Geschenk. Allerdings wurde bei der Debatte auch Porzellan zerschlagen, das jetzt die evangelischen Kirchen aufräumen müssen.

Denn natürlich wäre es für das Zusammenspiel der Religionen freundlicher gewesen, wenn die Regierungsmehrheit nicht ausgerechnet den Reformationstag als neuen Feiertag auserkoren hätte, sondern einen Tag, an dem weniger Emotionen (und Antipathien) hängen. Vielleicht wäre es klüger gewesen, von vorneherein einen „weltlichen“ Tag anzusteuern. Doch Weil und auch sein neuer Kompagnon Bernd Althusmann von der CDU wollten diesmal den Protestanten im Lande etwas Gutes tun. Dass auch manche von ihnen unglücklich mit dem Reformationstag sind, ist ein Wesenszug des Protestantismus, der nicht zu römisch-katholischer Geschlossenheit neigt. Doch jetzt sollten alle Streithähne wieder Frieden schließen, denn die Entscheidung ist gefallen – auch wenn keiner ruft: „Rom hat gesprochen, die Sache ist beendet.“ In Niedersachsen gibt es (gottlob) keinen Papst, der par ordre du mufti entscheiden kann.

Hier wäre auch Weil völlig überschätzt. Dass er sein Ziel politisch vorangetrieben hat – daraus kann man ihm keinen Vorwurf machen. Hier war gewiss der Beschluss der norddeutschen Ministerpräsidenten, sich auf den Reformationstag als neuen Feiertag zu konzentrieren, der entscheidende Schachzug. Falsch war es, so zu tun, als sei die Sache noch offen. Andererseits hatten Niedersachsens Abgeordnete alle Macht, in dieser Woche die Dinge noch einmal anders zu ordnen. Aber so mutig, einen echten Aufstand gegen den Landesfürsten zu wagen, waren sie auch nicht. Und das ist auch gut so, denn eine „Insellösung“ bei der Feiertagsfrage wäre schlicht unvernünftig gewesen.

An vielen Menschen dürften die hitzigen Diskussionen um den neuen Feiertag ohnehin vorbeigehen. Hauptsache, er ist da. Immerhin stieß der Reformationstag im vergangenen Jahr auf ein ziemlich großes Interesse bei den Christen. Es liegt an den evangelischen Kirchen, dieses Interesse wachzuhalten – und Versöhnungsarbeit mit den katholischen Schwestern und Brüdern sowie mit den jüdischen Gemeinden zu üben. Die haben zu Recht einiges an Luther auszusetzen. Aber der Reformationstag geht weit über Luther hinaus.

Von Michael B. Berger

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