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Meinung Reinhard Zweigler über Schavans Rücktritt
Nachrichten Meinung Reinhard Zweigler über Schavans Rücktritt
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00:15 13.02.2013
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Aus Respekt vor dem Amt ist Bundesforschungsministerin Annette Schavan zurückgetreten. Sie klebte nicht an ihrem Stuhl, wie man das von manch anderem Politikern kennt, sondern bekannte sich zu ihrer herausgehobenen Verantwortung als Ministerin. Sie hat auch eingesehen, dass einer Wissenschaftsministerin, der der Doktor-Titel entzogen wurde, nicht glaubhaft Politik betreiben kann. Annette Schavan ist eine Politikerin, die Verantwortung nicht nur wortreich beschreibt, sondern auch wirklich übernimmt. Sie ist eine Person mit Gewissen und Rückgrat.

Respekt gebührt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die den Rückritt der engen Freundin annehmen musste. Das ist Merkel erkennbar schwer gefallen. Wirkliche Freundschaften sind im harten Politikbetrieb sehr selten. Und selten hat die Kanzlerin so in ihr Inneres, in ihre Gedanken und Gefühle blicken lassen wie jetzt. Sie hat an ihrer Entscheidung gegen die angegriffene Ministerin teilhaben lassen. Und sie hat Annette Schavan eine würdevollen, einen angemessenen Abschied aus dem Kabinett beschert. Bei "Amtsflüchtlingen", wie Michael Glos, Karl-Theodor zu Guttenberg oder bei dem entlassenen Norbert Röttgen sah das ganz anders aus.

In der Politik sind bisweilen blitzschnell Entscheidungen zu treffen, die persönlich schmerzen, aber gleichwohl opportun sind. Des "großen Ganzen" wegen, um das Amt vor Schaden zu bewahren. Merkel hat natürlich auch so rasch gehandelt, um keinen Ballast für die Union mit in den anstehenden Bundestagswahlkampf zu schleppen.

Dass Ex-Ministerin Schavan nun freilich weiter um ihren Doktor-Titel kämpft, steht auf einem anderen Blatt. Das ist ihr gutes Recht. Ein Fakultätsrat ist kein "Rat der Götter". Auch die Universität Düsseldorf muss sich Fragen gefallen lassen. Etwa warum an Schavans Arbeit fast 33 Jahre lang weder Fehl noch Tadel entdeckt wurden. Im Gegenteil. Oder warum partout kein weiteres wissenschaftliches Gutachten zur Klärung der Plagiats-Vorwürfe herangezogen wurde. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf, das lediglich den Prozess der Aberkennung des Titels prüfen wird, kann solche Fragen nur schwerlich klären.

Von Reinhard Zweigler

Klaus Wallbaum 08.02.2013
Mathias Klein 08.02.2013