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21:27 05.06.2015
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Selten haben Gipfelgegner vor einem G7-Treffen so viel Unsinn verbreitet wie diesmal. Von üblen Tendenzen zur Abschottung ist die Rede, von Gigantismus, von hohen Kosten für die Polizei.

In Wirklichkeit ist der Wunsch der Regierenden, ungestört etwas Zeit miteinander zu verbringen, keine Erfindung dieser Tage. Den Herren Helmut Schmidt, Valery Giscard d’Estaing und Jimmy Carter gefiel es einst, sich in Guadeloupe zu treffen, in der Karibik. Man legte das Jackett ab, Palmen wogen sich im Wind, Gipfelgegner waren nicht in Sicht. Historiker betonen heute die Bedeutung solcher Runden für die Krisenbewältigung in den Siebzigerjahren.

Absurd wird es, wenn heute militante Gipfelgegner zündeln und Blockaden planen und zugleich den Sicherheitsaufwand beklagen. In der linksautonomen Szene stößt man, ebenso übrigens wie rechtsaußen bei Pegida, oft auf verkniffene Verschwörungstheoretiker: Alles wird durch böse Konzerne manipuliert, die Wahrheit verkünden nur einige, wenige sehr spezielle Foren im Internet.

Es ist Zeit für einen entspannteren, realistischen Blick auf die „großen Sieben“. Das Problem lag nie darin, dass sie sich trafen. Das Problem ist, dass sie oft hinter den selbst gesetzten Zielen zurückblieben, in der Klimapolitik etwa, auch bei der Entwicklungshilfe.

Wahr ist aber auch: Die G7 sind besser als ihr Ruf, vor allem schneller und effektiver als die unendlich langsamen und stets vom Veto Russlands oder Chinas bedrohten Vereinten Nationen. Die oft gescholtenen Amerikaner zum Beispiel haben in Afrika viel Gutes getan, zuletzt bei der Bekämpfung von Ebola. Auch Deutschland und Japan sind in der Dritten Welt bedeutende Geldgeber.

Anders als in Heiligendamm ist diesmal Wladimir Putin nicht eingeladen. Er beginnt jetzt den Preis für Russlands völkerrechtswidriges Vorgehen in der Ukraine zu bezahlen. Die Reduzierung von G8 auf G7 mindert nicht die Bedeutung des Treffens. Im Gegenteil. In Schloss Elmau beginnt die hoch interessante strategische Neuausrichtung sehr einflussreicher Staaten, die auch im 21. Jahrhundert Rechtsstaat, Freiheit und Demokratie hochhalten wollen.

Natürlich muss man mit Russland reden. Merkel tut es; sie hat unter den G7 die besten Drähte zu Putin. Es ist aber auch sinnvoll, einmal über Russland zu reden: in aller Ruhe, im Kreis der mächtigsten Führer aus Nordamerika, Europa und Japan. Moskau muss wissen, dass der Rest der Welt sich nicht alles bieten lässt. Die gleiche Botschaft muss, schöne Grüße aus Schloss Elmau, an China gehen, das in diesen Tagen in einem brandgefährlichen Machtspiel Sand auf Felsen im Meer schüttet und neue eigene Territorien proklamiert. Heute wie in den Siebzigern kann es sein, dass die G7-Staaten keine kühnen neuen Ziele verkünden, sondern nur enger zusammenrücken. Schon darin aber kann, global gesehen, eine gute Nachricht liegen.

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