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Meinung Schwieriges Erbe
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22:22 07.11.2010
Von Michael B. Berger

Am Dienstag wird die „Who is who?“-Frage geklärt, zumindest von kirchlicher Seite. Der rheinische Bischof (in Düsseldorf heißt er Präses) Nikolaus Schneider wird in Hannover zum ersten deutschen Protestanten gewählt. Ein sensibler, theologisch versierter, aber keineswegs besonders fotogener Mann. Man kann ihn wie einst Helmut Kohl auch in einer Strickjacke treffen. Dennoch wird Schneider das neue Gesicht des Protestantismus sein. Der 63-Jährige, den die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Ratsvorsitzenden wählen wird, tritt ein in jeder Hinsicht schwieriges Erbe an. Das liegt schon daran, dass die letzten beiden Amtsinhaber Ausnahmeerscheinungen waren.

Schneider hatte starke Vorgänger

Schneiders Vorvorgänger Wolfgang Huber konnte in schwierigen Runden Probleme derart elegant in theologische Formeln gießen, dass auch Skeptiker ihm am Ende bereitwillig folgten: Sie akzeptierten den von Huber gewollten Reformprozess – wenn nicht aus gefühlsmäßiger Zustimmung, so doch aus Einsicht in die von Huber beschriebenen Notwendigkeiten.

Margot Käßmann konnte dafür predigen, dass einem das Herz warm wurde. Sie bot sich nicht zuletzt den Frauen als Identifikationsfigur an, die zu den hohen Herren in Grau oft lieber Distanz hielten. Quer durch die Kirche konnte Käßmann jene, die vielleicht inhaltlich nicht völlig überzeugt waren, emotional ansprechen und mitziehen.

Aber alle, die jetzt klagen, der Protestantismus werde mit dem 63-jährigen Schneider wieder älter und grauer, müssen sich fragen, was sie eigentlich von der evangelischen Kirche in Deutschland verlangen, deren Anspruch es ist, nicht nur für sich selbst zu sprechen: mehr Unterhaltung? Mehr Glamour? Ein kirchlicher Karl-Theodor zu Guttenberg ist derzeit nicht zu finden.

Schwierig ist Schneiders Mission aber auch, weil sich das gesellschaftliche Klima allmählich wandelt. Galten nach dem Zweiten Weltkrieg die Kirchen noch als moralische Stützen und deklamierte in der Zeit danach fast jeder Verfassungsrechtler, dass der Staat von Voraussetzungen lebe, die er nicht selbst geschaffen habe, wird der Wind jetzt rauer. Die Kirche wird zunehmend als eine partikulare Organisation betrachtet, die auch nicht besser ist als andere. Ihr Anspruch, über sich selbst hinauswirken zu wollen und von einem anderen Geist getrieben zu sein als Arbeiterwohlfahrt oder ADAC – nämlich vom Geiste Gottes –, wirkt nicht bei denen, die von einem höheren Wesen nichts halten. So gibt es in der Linkspartei wie in der FDP viele, die eine stärkere Distanz des Staates von der Kirche verlangen. Dass sich jetzt ein Kreis von Atheisten in der SPD organisiert hat, ist ein Indiz für den Stimmungswandel. Spät aufgedeckte Missstände in kirchlichen Heimen machen die Kirchenskepsis nicht geringer. Aber charismatische Gestalten an der Spitze – so schön sie sind – beheben nicht den massiven Traditionsabbruch, den die Kirchen (und mit ihnen viele Christen) erleben. Sie machen ihn nur für einen Moment vergessen.

Wissen, wo der Schuh drückt

Wichtiger ist, dass die Kirche sich in dieser Lage immer wieder selbst auf ihren eigenen Dogmatismusfaktor hin überprüft. Kann man es als aufgeklärter Protestant verteufeln, wenn Eltern, die ein Kind im Reagenzglas zeugen lassen, überprüfen wollen, ob sie schlimme Erbkrankheiten weitertragen wollen? Dann müsste man, ganz konsequent, viele medizinische Möglichkeiten ausschlagen. Auch sollte nicht jede notwendige Diskussion sogleich mit dem Hinweis auf die Verbrechen im Dritten Reich mit einem Denkverbot belegt werden. Überhaupt sollte der alte Satz befolgt werden, dass der Übergang der Religion in die Ethik der Tod der Religion sein kann.

Nikolaus Schneider hat in bemerkenswerten Interviews ein paar Denkverbote angezweifelt. Er sollte sich jetzt nicht von den Dogmatikern in den eigenen Reihen einschüchtern lassen. Denn wesentlicher als der Glamourfaktor ist, dass die Kirche die Sprache des Mitgefühls spricht. Dass sie weiß, wo den Leuten der Schuh drückt.

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