Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Es geht um die Machtfrage
Nachrichten Meinung Es geht um die Machtfrage
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:01 20.04.2015
Anzeige

Das Positive an Tarifverhandlungen ist, dass sie sich meistens um Geld drehen. Dann fordert die eine Seite viel, die andere ist nur bereit, wenig zu geben. Man streitet, brüllt sich auch an, bricht Gespräche ab und streikt – manchmal aus ernster Empörung, oft wegen der Dramaturgie, die zu jedem Arbeitskampf dazugehört. Am Ende aber kommt, sei es auch unter Zuhilfenahme eines Vermittlers, eine Verständigung heraus – in Form einer Prozentzahl, mit der beide leben können. Dann schaut man sich wieder in die Augen und lächelt.

Es hat seinen Grund, dass ein solcher Verlauf bei den Verhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) nicht absehbar ist. Denn es geht nicht um Geld, sondern um Macht. Mehr noch: Es geht um die Macht, die der Gesetzgeber bereit ist, kleinen Gewerkschaften in Zukunft noch zuzugestehen. Der Gesetzgeber aber sitzt nicht mit am Verhandlungstisch, er ist der unsichtbare Dritte, gegen den sich ein gehöriges Maß des Ärgers richtet, der sich bei den Lokomotivführern gegenwärtig aufgestaut hat. Insofern ist verständlich, dass es der GDL so schwer fällt, mit der Bahn eine Einigung zu erzielen.

Die Bundesregierung plant, dass ein Großunternehmen im Zweifel nur noch mit der mitgliederstärkeren Gewerkschaft verhandeln muss, wenn sich alle Gewerkschaften des Betriebes nicht verständigen können. Die GDL ist bei der Bahn diejenige, die weniger Mitglieder hat. So befürchtet die GDL zu Recht, dass die Große Koalition ihr über ein verfassungsrechtlich höchst fragwürdiges Gesetz das Streikrecht entziehen will. Unter solchen Vorzeichen muss die Bereitschaft, sich in einem Arbeitskampf zu einigen, sehr schwer fallen. Das Vertrauen der Verhandlungspartner ist zerstört, deshalb kommen beide Seiten nicht mehr zusammen.

19.04.2015
Meinung Kommentar zu Griechenland - Ein „Grexit“ löst keine Probleme
Marina Kormbaki 17.04.2015
Meinung Leitartikel zum VW-Machtkampf - Klarer Sieg für Winterkorn
Stefan Winter 17.04.2015