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Meinung Trauerspiel
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22:55 08.08.2010
Von Klaus von der Brelie

Wo ausländische Ärzte, die zum Helfen gekommen sind, ermordet werden und wo Entwicklungshelfer aus aller Welt sich ihres Lebens nicht sicher sein können, fällt es von Tag zu Tag schwerer, den Ärmsten der Armen eine Perspektive auf eine bessere Zukunft zu schaffen.

Es sind nicht nur die Taliban, die dem geschundenen Land einen friedlichen Aufbau verwehren. Kriminelle und Drogenbarone tragen aktiv zur Destabilisierung vieler Provinzen bei. Auch neun Jahre nach Beginn des internationalen Militäreinsatzes in Afghanistan gibt es kein wirksames Rezept, wie in Afghanistan ein friedliches Miteinander aller Volksgruppen und Clans ermöglicht werden könnte. Dennoch wäre es falsch, wenn dem Westen totales Versagen vorgeworfen würde.

Milliarden für den Aufbau

Unter dem Schutzschirm, den das Militär aufgespannt hat, sind positive Entwicklungen zustande gekommen. Die Alphabetisierung schreitet voran, viel mehr Mädchen als früher gehen zur Schule, die medizinische Versorgung ist besser geworden, immer mehr Verkehrswege werden nach internationalen Standards ausgebaut, die Frauen bekommen mehr Rechte, bei der Strom- und Wasserversorgung gibt es große Fortschritte.

Dies alles hat Milliarden gekostet. Nirgendwo sonst auf der Welt hat die Völkergemeinschaft in jüngster Zeit so viel Geld in den Aufbau eines Landes investiert. Aber wurde das Geld gut angelegt? Auch auf diese Frage gibt es kein klares Ja. Für den Aufwand, den das Militär im Kampf gegen die Aufständischen betreibt, ist sehr viel mehr Geld erforderlich als für die tatsächliche Aufbauhilfe zur Verfügung steht. Dieses Missverhältnis nährt nicht nur die Zweifel am Militäreinsatz in Afghanistan, sondern treibt auch einen sehr groben Keil zwischen den Entwicklungshelfern auf der einen Seite und den Generalen auf der anderen.

Dennoch muss der Westen den Kampf gegen die Taliban einstweilen fortsetzen, entschlossen und mit großer Härte. Wer jetzt von Rückzug redet oder ihn schon einleitet, spielt den Aufständischen in die Hände, ja er könnte mitschuldig werden, wenn demnächst erneut Ärzte umgebracht werden oder jungen Frauen, die sich gegen eine Zwangsheirat wehren, die Nase abgeschnitten wird. Es ist eine Illusion, die Verantwortung für die Sicherheit am Hindukusch schon heute den afghanischen Polizisten und Soldaten zu übertragen. Die allermeisten afghanischen Sicherheitskräfte sind so schlecht ausgebildet, dass sie den aktuellen Herausforderungen nicht einmal ansatzweise gewachsen sind. Hinzu kommt, dass die afghanische Regierung nicht in der Lage ist, Armee und Polizei angemessen zu bezahlen. Deshalb führt kein Weg daran vorbei, dass auch nach Übergabe der Verantwortung für die Sicherheit einzelner Bezirke das Gehalt der Polizisten vom Westen bestritten werden muss.

Afghanen in der Pflicht

Ein vorschnelles Ende der Afghanistan-Mission würde nicht nur die erzielten Erfolge zunichte machen, es würde auch viele friedlich gesonnene Afghanen enttäuschen und in der islamischen Welt die Vorbehalte gegenüber den Amerikanern und Europäern stärken. Trotzdem muss den Politikern in Afghanistan klargemacht werden, dass die Hilfe des Westens nicht auf Dauer angelegt ist. Die Afghanen selbst müssen engagierter zum Aufbau ihres Landes beitragen. Das gilt auch für den Kampf gegen die Taliban, die Drogenbosse und die einflussreichen Kriminellen. Eine solche Forderung ist weder unrealistisch noch unberechtigt. In Masar-i-Scharif ist schon seit Jahren ein Beispiel für gute Regierungsarbeit zu besichtigen. Die Stadt boomt und hebt sich auf angenehme Weise vom korrupten und undurchschaubaren Treiben in der Hauptstadt Kabul ab.

Das Trauerspiel in Afghanistan kann nicht isoliert betrachtet werden. Im Nachbarland Pakistan könnten die Herausforderungen für die Völkergemeinschaft schon bald genauso groß sein wie am Hindukusch. Sollte es den Taliban und deren Förderern in den Geheimdiensten gelingen, sich der Atomwaffen im Lande zu bemächtigen, wäre ganz Asien in Gefahr. Deshalb ist es nicht vermessen, die Mittelmächte Indien und China aufzufordern, aktiver zur Überwindung der Konflikte in Afghanistan und Pakistan beizutragen. Je länger sie sich dem verweigern, desto größer wird das Risiko, dass der Westen resigniert und die Region sich selbst überlässt. Und daran kann niemandem gelegen sein.

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