Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Tunesien braucht unsere Hilfe
Nachrichten Meinung Tunesien braucht unsere Hilfe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:33 28.06.2015
Anzeige

Saifuddin Reezgui hat am Strand von Sousse 38 Menschen ermordet. Eine grauenvolle Bluttat – und dem 24-jährigen Tunesier könnte noch etwas Furchtbares gelingen: Das Land steht nach dem islamistischen Anschlag wieder vor der Frage, ob die gerade erst etablierte Demokratie nicht zu schwach ist, um Sicherheit zu gewährleisten. Urlauber verlassen seit dem Wochenende in Scharen das Land, andere stornieren daheim ihren Urlaub. Der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen des kleinen Landes; rund 400.000 Menschen verdienen damit ihren Lebensunterhalt. All das ist seit Freitag mehr denn je in Gefahr, denn bereits im März ermordeten islamistische Attentäter im Bardo-Museum in Tunis viele Touristen.

Jetzt werden Rufe nach der starken Hand laut; der 2011 gestürzte Diktator Zine el-Abidine Ben Ali erscheint vielen plötzlich in einem milden Licht. Sicher, es gibt heute demokratische Freiheiten, doch Armut und Inflation nehmen rasch zu, die Arbeitslosigkeit ist weit höher als zu Ben Alis Zeiten; und der Frust der Jugend ist größer als 2011.

Freundliche Worte des Westens darüber, dass Tunesien heute das einzige Land ist, das den Arabischen Frühling mit einer echten Demokratisierung abschloss, werden dem Land nicht helfen. Einbußen beim Tourismus sollten mit höherer Entwicklungshilfe ausgeglichen werden. Deutschland und andere Länder könnten zudem Expertenhilfe anbieten, um innere Sicherheit zu stabilisieren, ohne gleich in den Polizeistaat abzugleiten.

Die wirkliche Herausforderung liegt aber nicht in Tunesien. Bekämpft werden muss die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), die die Verantwortung für das Massaker übernahm. Raketenangriffe von US-Drohnen haben den IS jedenfalls nicht geschwächt. Der Westen muss sich neue Strategien überlegen – sonst gibt es keine Sicherheit, weder am Strand von Sousse noch anderswo.

Mehr zum Thema

Die Strände sind menschenleer, Touristen verlassen das Land. Tunesien trifft der verheerende Terroranschlag mit 38 Opfern ins Mark. Mittlerweile ist klar, dass der Attentäter als Animateur im Hotel seiner Opfer arbeitete.

01.07.2015

Tausende Menschen machen derzeit in Tunesien Urlaub. Nach dem Terroranschlag vom Freitag fliegen die ersten Touristen nach Hause zurück. Einige wollen aber auch bleiben.

27.06.2015

Der Anschlag in Tunesien hat viele Touristen verunsichert. Der Reisekonzern Tui rechnet damit, dass 250 deutsche Kunden ihre Ferien in dem Land abbrechen werden.

Deutsche Presse-Agentur dpa 29.06.2015
Meinung Analyse zu Griechenland - Es ist noch nicht zu spät
Marina Kormbaki 28.06.2015
Meinung Kommentar - Lähmende Kraft
26.06.2015
Matthias Koch 29.06.2015