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Meinung Was kommt von den Flüchtlingen selbst?
Nachrichten Meinung Was kommt von den Flüchtlingen selbst?
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22:30 18.08.2017
Von Conrad von Meding
Quelle: Archiv

Die Sozialarbeiter „sitzen nur im Büro und warten, dass die Flüchtlinge zu ihnen kommen“. Was ein Flüchtling in einer Ratsanhörung zur Wochenmitte gesagt hat, war ziemlich starker Tobak für eine Gruppe, die sich mehrheitlich hingebungsvoll um Hilfesuchende kümmert. Wie immer im Leben wird es so sein, dass es solche Fälle gibt - aber eben auch mehr Beispiele, in denen es ganz anders läuft. Der Vorgang wirft allerdings noch eine ganz andere Frage auf: Tun Flüchtlinge ihrerseits eigentlich genug für ihre Integration, für ihr Ankommen in Deutschland?

Im Stadtrat zeichnet sich nach der Anhörung jetzt eine Mehrheit dafür ab, die Situation für Flüchtlinge noch weiter zu verbessern. Schon jetzt ist der Betreuungsschlüssel von Sozialarbeitern zu Flüchtlingen in Hannover viel höher als Bundes- und Landesorganisationen dies fordern. Das ist gut. Nach Kölner Vorbild soll nun zusätzlich ein Beschwerdemanagement eingerichtet werden. Grüne und CDU sind dafür, die SPD wird sich also wohl kaum sperren. Möglich ist, dass die Stadt auch noch einmal etwas klarere Standards formuliert, welche Aufgaben die Sozialarbeiter in den Unterkünften zu erbringen haben. Schließlich hat sich auch der Unterstützerkreis als Sprachrohr der Ehrenamtlichen darüber beklagt, dass man oft nicht wisse, wer welche Aufgaben zu leisten habe.

Aber was machen eigentlich die Flüchtlinge? Wer sich mit ehrenamtlich Engagierten in Hannover unterhält, der erfährt natürlich, dass es etliche Vorzeigeflüchtlinge gibt, die aktiv am Stadtleben teilhaben und es bereichern. Es gibt inzwischen vereinzelt Kultur- und Zeitungsprojekte, Fahrradwerkstätten, Ausflüge. Aber man hört auch immer wieder heraus: Viele Flüchtlinge lassen sich hängen. Sie sitzen vor ihren Smartphones, besuchen einen Deutschkurs nach dem anderen mit mäßigem Erfolg - und hängen rum. Liegt das nur an traumatischen Fluchterlebnissen? An der angeblichen Perspektivlosigkeit in einem Land, das zu erreichen sie ihr Leben riskiert haben?

In der Anhörung haben Sozialarbeiterinnen die Forderung nach mehr Partizipation und Teilhabe für Flüchtlinge erhoben, etwa die Möglichkeit zur Gründung einer Interessenvertretung. Man möchte ausrufen: Ja, lasst die Flüchtlinge das doch selbst organisieren. In Deutschland braucht man keine behördliche Genehmigung für so etwas. Man kann sich selbst einbringen, seine Interessen artikulieren und sein Leben gestalten. Und man kann auch zu den Sozialarbeitern gehen in einer Unterkunft, wenn diese wirklich „nur im Büro sitzen“, und mit ihnen das Gespräch suchen. Wer sich integrieren will, der muss sich engagieren. Willkommen in Deutschland und Hannover!

Was, befeuert durch Donald Trumps Äußerungen, gerade zwischen Seattle und Miami passiert, ist der Stoff, an dem eine Bevölkerung in sich zerbrechen kann. Die Empörung über Taten und Worte, mit denen die Pfade der Mitmenschlichkeit verlassen werden, darf niemals abstumpfen. Sonst ist alles verloren, meint Gordon Repinski.

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