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Meinung Unvermeidlich
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21:41 26.03.2014
Von Reinhard Urschel
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Fast ist man geneigt, Galileo Galileis berühmten Satz „und sie bewegt sich doch“ ausgerechnet auf die katholische Kirche anzuwenden. Kann es wirklich sein, dass die äußerst missliche Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sowohl in der römischen Zentrale als auch bei den bischöflichen Mitbrüdern in Deutschland einen epochalen Erkenntnisgewinn ausgelöst hat? So heftig wie bei Galileo wird es nicht sein, der eine weitere Tür vom Mittelalter zur Neuzeit aufgestoßen hat. Aber immerhin haben die katholischen Kirchenführer ein paar Fenster geöffnet und Licht und Luft hereingelassen ins Kircheninnere.

Es ist ja zuletzt nicht mehr darum gegangen, ob der Limburger Bischof auf seinen Stuhl zurückkehren soll oder nicht. Sein Rückzug aus dem hohen Amt war unvermeidlich. Die Bezeichnung „Protzbischof“ für den Restaurator des Limburger Domhügels ist schon allein deshalb falsch, weil sie die Verfehlungen Tebartz-van Elsts nur unzulänglich beschreibt. Es ging nicht um den schlampigen, ja unverfrorenen Umgang mit Kirchengeld. Es ging auch um den saloppen Umgang des Bischofs mit der Wahrheit, falsche eidesstattliche Versicherungen und nicht zuletzt um sein wahrhaft vorkonziliares Amtsverständnis. Unter der Führung des äußerlich so jugendlich wirkenden Bischofs sollte das Bistum zurückgeführt werden in altes Kirchendenken – der Bischof predigt, die Gläubigen haben zu schweigen. Und zu zahlen.

Dass sich die neue Führung der katholischen Kirche in Deutschland entschlossen hat – gewiss ermutigt vom neuen päpstlichen Geist einer offenen, weltzugewandten Kirche –, den Bericht der Prüfungskommission öffentlich zu machen, verdient Anerkennung. Die enttäuschten Gläubigen zurückzugewinnen wird schwer sein. Es gelänge wohl dann am ehesten, wenn man sie an der Wahl des Nachfolgers angemessen beteiligen würde.

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