Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Verhandeln mit den Schmuddelkindern
Nachrichten Meinung Verhandeln mit den Schmuddelkindern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 24.07.2014
Von Susanne Iden

Die Spitze der internationalen Politik sucht den einen Menschen, der die Kriegsparteien zum Verhandeln bringt.

Seit zehn Tagen tobt der dritte Gazakrieg in sechs Jahren. Was ist Aktion, was Reaktion? Die Raketen der Hamas auf Israels Städte? Die Isolierung Gazas, die Abhängigkeit der dort lebenden Palästinenser von Israels Gnaden? Müßig sind Schuldzuweisungen. Beide Seiten tun einander Grausamkeiten an.

Den Totentanz in Gaza auch nur zu unterbrechen wäre schon ein Erfolg. Aber wer schafft das? Die ehrgeizige Türkei hat sich disqualifiziert, als Premier Erdogan giftete, der „israelische Terrorstaat“ übertreffe „Hitlers Barbarei“. Der neue Präsident Ägyptens hat verspielt, seit er einen Vorschlag für einen Waffenstillstand machte, der sogar nach Ansicht europäischer Diplomaten für die Hamas inakzeptabel war.

Es gibt nur einen, der die Katastrophe stoppen kann: die Hamas. Aber mit der redet keiner. Und das ist der Fehler.

Die extremistische Hamas-Führung ist das Schmuddelkind der Weltpolitik. Lange Zeit ist sie zu Recht missachtet worden. Die EU hat es zur Richtlinie erhoben, keine direkten Gespräche mit der Hamas zu führen. Der US-Kongress hat der Regierung Obama jeden direkten Kontakt sogar gesetzlich verboten. Die demonstrative Missachtung hat die Lage nur schlimmer gemacht. Wer helfen will, muss endlich mit der Hamas von Angesicht zu Angesicht reden.

Jetzt ist die womöglich letzte Chance dafür. Die vorletzte ist verstrichen – als Israel die Zusammenführung der politisch geschwächten Hamas und der Fatah zu einer Einheitsregierung unter Palästinenserpräsident Abbas bei den Verbündeten diskreditierte. Aus Angst, dass diese Einheit der erste Schritt zum eigenen Staat ist? Die Isolation der neuen Regierung hat am Ende nur den kooperativen Abbas geschwächt – und die Hamas im Gazastreifen will wieder mit Gewalt durchsetzen, was sie politisch nicht erreichte: die Öffnung der Grenzen, die Bezahlung von 43.000 Beamten, Kredite für den Aufbau der Wirtschaft.

Es ist eine Zumutung, mit Menschen zu verhandeln, die Raketen in Wohngebiete feuern und Selbstmordattentäter in die Schulbusse ihrer Nachbarn schicken. Israels Sicherheit sollte Europa und den USA die Mühe aber wert sein. Denn mit der Hamas gibt es zumindest eine in sich funktionierende Organisation, die in die Pflicht genommen werden kann. Ihre Zerschlagung könnte zum Pyrrhussieg werden. Die Hälfte der Menschen im Gazastreifen ist jünger als 15 Jahre. Das sind eine knappe Million Menschen, die in ihrem kurzen Leben schon drei Kriege und viele Tote gesehen haben. Sie werden leichte Beute sein für jeden, der den Hass gegen Israel weiter schüren will.

Mehr zum Thema
Deutschland / Welt Israelische Militäroffensive - Mehr als 500 Tote im Gazastreifen

Eine Waffenruhe im Gazakonflikt ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, die Kämpfe gehen unvermindert weiter. Die Zahl der palästinensischen Toten bei den israelischen Angriffen ist auf mehr als 500 gestiegen. Die UN ist besorgt um die Zivilisten im Kampfgebiet.

21.07.2014

Rund 2000 Menschen haben am Sonntag in Hannover friedlich gegen den Krieg im Gazastreifen demonstriert. Nur zweimal musste die Polizei bei der angemeldeten Veranstaltung eingreifen.

Jörn Kießler 23.07.2014

Nach der Eskalation im Nahen Osten hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Feuerpause und den Schutz von Zivilisten gefordert.

21.07.2014

Israels Premier Benjamin Netanjahu begründet die Bodenoffensive in Gaza mit der Zerstörung des Tunnelsystems der Hamas. Doch er irrt, wenn er glaubt, sein Vorgehen sei dadurch legitimiert. Ein Kommentar von Marina Kormbaki.

20.07.2014

Erst sollte alles so schnell wie möglich beschlossen sein, jetzt hat CSU-Chef Horst Seehofer seine Meinung über die Einführung einer Maut geändert. Er spielt auf Zeit. Da kommt ihm das Sommerloch gerade recht. Eine Analyse von Matthias Koch. 

20.07.2014
Meinung Krise im Gazastreifen - Dieser Nahostkrieg 
ist anders

Die heute maßgeblichen Frontlinien im Nahen Osten sind andere als früher. Ob jemand Israeli ist oder Palästinenser, ist oft gar nicht mehr der zentrale Punkt. Die Grenze verläuft eher woanders: zwischen Friedfertigen und Predigern der Gewalt. Ein Kommentar von Gill Yaron.

18.07.2014