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Meinung Die Retter sind die wahren Helden
Nachrichten Meinung Die Retter sind die wahren Helden
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21:43 19.06.2014
Von Jörg Kallmeyer
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Sie kommen aus Bayern, Kroatien, Österreich, der Schweiz und Italien. Sie haben sich Urlaub genommen, ihren Arbeitgeber vertröstet – und sie haben zwölf Tage lang gezeigt, was menschenmöglich ist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Am Donnerstagmittag brachten die Höhlenretter den Forscher Johann Westhauser zurück ans Tageslicht. Eine der spektakulärsten Rettungsaktionen ging höchst zurückhaltend zu Ende. Bei der Bergwacht wird nicht gejubelt. Dabei haben diese Männer nun wirklich allen Jubel dieser Welt verdient. Sie sind die wahren Helden dieser Tage – sie haben Deutschland ein Sommermärchen ganz eigener Art beschert.

Europa funktioniert eben doch, wenn es darauf ankommt. An der Rettung des schwer verletzten Forschers waren 728 Helfer aus fünf Staaten beteiligt, doch alles klappte buchstäblich wie am Schnürchen. Nationale Eitelkeiten blieben außen vor, hier gab es kein Gerangel um den Kommissionsvorsitz. Dass sich in der Stunde des Erfolgs unter die Retter auch Politiker mischten, gefiel einigen allerdings nicht. Was wollte etwa Bayerns Innenminister Joachim Herrmann gestern in Berchtesgaden?

Auch in diesem Punkt lief alles korrekt. Das Land Bayern finanziert die Bergwacht in nicht unerheblichem Maß mit und darf deshalb auch mitreden. Der Innenminister hat in aller Klarheit dafür gesorgt, dass es keine Debatte über Kosten der Hilfsaktion in der Riesending-Schachthöhle gab: Der Forscher wird gerettet. Koste es, was es wolle. Es ist Ausdruck von Zivilisation, niemanden zurückzulassen, der in Not ist. Und es ist auch ein starkes Signal in einer Welt, die zurzeit durch besonders barbarische Akte des Terrors und Kriegs geprägt ist.

Die Leute der Bergwacht sind, auch wenn sie es selbst nie so sagen würden, die Edelmänner unter den Rettern. Sie sind die Stars in einer TV-Serie, doch sie arbeiten wie Tausende andere Helfer auch: Ehrenamtliche sind überall zur Stelle, wo man sie braucht. Wer als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in der Nähe einer Autobahn wohnt, der muss immer wieder ausrücken, um schwer verletzte Unfallopfer aus den Autowracks zu schneiden. Freiwillig und mit allen Folgen, die solche Einsätze für die Psyche des Retters haben können.

Das Rettungswesen ist vor allem deshalb so gut und lückenlos, weil die professionellen Hilfsdienste von einem engen Netz von Ehrenamtlichen unterstützt werden. Sie alle verdienen Anerkennung – auch wenn sie gar nicht als Helden gefeiert werden wolle

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Die erlösende Nachricht kam um 11.44 Uhr per SMS: „Der Verunglückte ist an die Oberfläche gebracht worden und wird notfallmedizinisch versorgt.“ Sechs Tage hatte es gedauert, um Johann Westhauser aus Deutschlands tiefster Höhle zurück an die Oberfläche zu bringen.

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