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Meinung Rente jenseits des Stichtags
Nachrichten Meinung Rente jenseits des Stichtags
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21:05 02.01.2015

Freiwillig arbeiten noch jenseits des 65. Lebensjahrs? Geht das überhaupt? Macht das am Ende sogar Spaß? Deutschlands Politiker haben diese Frage in eigener Sache gleich reihenweise mit Ja beantwortet. Horst Seehofer etwa ließ im vorigen Juli seinen 65. Geburtstag verstreichen, ohne sich aus dem Amt des CSU-Chefs zu verabschieden. Winfried Kretschmann, erster Ministerpräsident der Grünen, ist sogar schon 66 Jahre alt, ebenso wie Linken-Fraktionschef Gregor Gysi. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bringt es bereits auf stolze 72 Jahre.

Die Beispiele zeigen: Der Eintritt in die Rente ist eine höchst persönliche Sache. Es geht nicht allein ums bloße Alter,  auch nicht um die rein physische Kraft, sondern eher um die Frage, ob man von anderen noch gebraucht wird und ob man selbst noch motiviert ist. Schon immer war es absurd, der Gesellschaft stur einen allgemeingültigen Termin für den Ruhestand vorschreiben zu wollen. Doch erst jetzt beginnt ein Umdenken: Wie könnte man künftig unverkrampfte Regelungen hinbekommen für einen tendenziell individuelleren Übergang aus dem Berufsleben in die Altersrente?

Angestoßen wird dieses neue Denken durch zwei finanzielle Faktoren. Die geburtenschwachen Jahrgänge lassen die für die Zukunft prognostizierten Beitragseinnahmen der Rentenversicherung bedenklich sinken. Zugleich macht schon jetzt ein millionenfacher Facharbeitermangel der deutschen Wirtschaft zu schaffen.

In 139 Berufen werden in Deutschland in 15 Jahren mehr als zwei Millionen Fachkräfte fehlen – und das oft auch noch in den entscheidenden Bereichen für das deutsche Wirtschaftserfolgsmodell. Man muss schon sehr vernagelt sein, um daraus nicht die naheliegende Schlussfolgerung zu ziehen, dass es helfen könnte, wenn zumindest der eine oder andere gut Qualifizierte gegen Ende des Berufslebens noch eine kleine Extrarunde dreht.

Das Problem des Facharbeitermangels wird noch verschärft durch das Gesetz der Großen Koalition, wonach langjährige Beitragszahler ausnahmsweise schon mit 63 abschlagsfrei in Rente gehen können. Die im vorigen Jahr beschlossene Neuregelung wird derzeit stärker genutzt als vom Bundesarbeitsministerium erwartet. Zugleich aber tendieren andere Arbeitnehmer in steigender Zahl dazu, über 65 hinaus zumindest in Teilzeit weiterzuarbeiten. Bei vielen Älteren, die noch arbeiten wollen, geht es weniger um berufliche Selbstverwirklichung oder einen netten Zeitvertreib, sondern um die schlichte Vermeidung von Altersarmut. Hunderttausende kombinieren bereits ihre Rente mit Minijobs, um über die Runden zu kommen.
Was spricht dagegen, je nach Bedarf die einen früher in Rente gehen und die anderen länger arbeiten zu lassen? Eine starre Stichtagsregelung jedenfalls hat keine Zukunft.

Vier Spitzenposten müssen in diesem Jahr im Rathaus und in der Regionsverwaltung neu besetzt werden. Es wäre gut, wenn dabei die Qualifikation der Bewerber vor Parteiproporz geht, findet Conrad von Meding.

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