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Meinung Wenn der Nachbar ein Moslem ist
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10:19 20.11.2015
Von Michael B. Berger
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Attentate von Islamisten in Paris, Terrordrohung in Hannover, Verhandlungen über eine Art Staatsvertrag mit den Muslimen in Niedersachsen - wie passt das zusammen? Das fragen sich manche Bürger. Die erste Antwort ist einfach: Gar nicht, weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Eine zweite Antwort fällt schon etwas abstrakter aus: Die staatliche Förderung von islamischer Kulturarbeit kann und wird dazu beitragen, dass der Islamismus nicht auf fruchtbaren Boden fällt und Hassprediger keine Chance haben.

Viele der bei uns seit Jahrzehnten als Nachbarn lebenden Moslems sind es leid, sich nach Attentaten dazu „bekennen“ zu müssen, nichts mit den Killern und Massenmördern gemein zu haben. Obwohl sie doch Moslems sind. Genauso wie etwa das deutsche Pfarrhaus auch nicht allgemein als Brutstätte des deutschen Terrors gelten kann, nur weil aus ihm einer der führenden Köpfe des Linksterrorismus kam: die RAF-Aktivistin Gudrun Ensslin, die bis zum Ende behauptete, moralisch zu handeln.

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Man kann mit guten Gründen bezweifeln, dass der Islam zu Deutschland gehört - Moslems gehören allemal zu uns, denn es gibt (gottlob) keine Staatsreligion. Glauben ist Privatsache, auch wenn die Religion eine öffentliche Angelegenheit bleibt. Das ändert nichts daran, dass vielen Deutschen die Sitten und Gebräuche ihrer muslimischen Landsleute fremd sind, auch weil die Mehrheitsgesellschaft den Bezug zur Religion an sich verloren hat. Viele glauben, die Zeiten religiöser Bevormundung endlich hinter sich gelassen zu haben. Und fürchten einen Rückfall ins Mittelalter. Dabei sind Verträge des Staates mit den Religionen eher Ausdruck neuzeitlichen Denkens.

Manche ärgerliche Reaktion auf ein Fairness-Abkommen gegenüber moslemischen Gemeinden rührt aus der Angst, die Minderheit könne bald die Mehrheit majorisieren. Ein Zerrbild. Die 400 000 Moslems im Land drücken Niedersachsen nicht ihren Stempel auf. Sie kämpfen vielfach nur um Anerkennung und Respekt. Um den Bau von Moscheen, das Bestattungswesen und den Religionsunterricht kreist jener Vertrag, den das Land Niedersachsen zu diesem Zweck mit den muslimischen Verbänden abschließen will. In der Präambel gibt er die ohne Zweifel notwendige Debatte um die Leitkultur in Kurzform zu Protokoll - es herrschen schlicht die Regeln des Grundgesetzes. Was auch sonst. In Religionsfragen gilt die Regel, dass jeder nach seiner Façon selig werden können müsse.

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