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22:41 20.05.2010

Denn die Krise war das Ergebnis eines gebrochenen Versprechens. Bei seinem Amtsantritt im Jahr 2008 gelobte Abhisit Versöhnung. Das Land war schon damals tief gespalten. Erst hatten die Militärs den Multimilliardär und Reformer Thaksin Shinawatra im Herbst 2006 gestürzt, dann war seinen Anhängern 2008 der Wahlsieg gestohlen worden. Abhisit aber ließ seinem Versöhnungsversprechen keine Taten folgen. Nun ist es zu spät.

Die Häme der Elite ...

Denn selbst wenn er es ernsthaft versuchen würde: Die Häme und die Wut, die seit der Niederschlagung des Aufstands von der Oberschicht versprüht werden, versperren den Blick auf die Notwendigkeit, Brücken zu schlagen. Die Elite triumphiert und droht, alte Fehler zu wiederholen. Zudem sitzen alle denkbaren Gesprächspartner in Untersuchungshaft.

Der Regierungschef und seine Mannschaft sehen das Problem vor allem in der Person Thaksin. Tatsächlich scheint der gestürzte Premier in den vergangenen Wochen jeden Verhandlungskompromiss aus dem Exil torpediert und die Rothemden zum Protest angestachelt zu haben.

Aber die Protestbewegung war weitaus mehr als der persönliche Rebellionsverein von Thaksin. Die Anhänger der Rothemden stammen überwiegend aus dem verarmten Norden und aus der unteren Mittelklasse. Sie sind überzeugt, dass ihre Interessen von der Elite in Bangkok nicht ernst genug genommen werden. Sie sind keine radikalen Umstürzler, sondern Teil der politischen Mitte des Landes.
Sie stehen nun vor den Ruinen ihrer Träume. Jetzt werden – wie in der Vergangenheit – die verhassten Bürokraten aus Bangkok in den Dörfern auftauchen und erzählen, dass gute Thailänder den Behörden gehorchen sollen. Kurzum: Die Anhänger der Rothemden sollen ihre Hoffnungen auf eine gerechtere Gesellschaft begraben. Genau das werden sie nicht tun.

... zieht das Land in den Untergang

Allerdings ist Thailands Landbevölkerung auch zu schlau, um sich überhastet auf neue Abenteuer einzulassen. Deshalb erscheint eine bewaffnete Widerstandsbewegung im Untergrund, wie sie von manchen Revolutionsromantikern propagiert wird, zunächst unwahrscheinlich.

Wenn sie zukünftig so gut beraten sind wie bei der Vorbereitung der Proteste, werden die Rothemden die Wut der Thailänder in den Provinzen politisch kanalisieren und schüren – um bei Neuwahlen, die spätestens Ende des kommenden Jahres stattfinden müssen, wie ein Phönix aus der Asche des 19. Mai 2010 aufzusteigen.

Spätestens zum Wahltermin wird Abhisit die Rechnung für die Zerschlagung der Proteste präsentiert. Man kann nur hoffen, dass die Elite, die die Niederlage der Rothemden feiert, bis dahin begriffen hat, dass sie nicht so weitermachen kann wie bisher und einen parlamentarischen Sieg der Rothemden akzeptiert.

Die Chancen dazu sind jedoch gering. Thailands Oberschicht strebt seit Jahren die Restauration der halb feudalen Verhältnisse an, die vor der asiatischen Wirtschaftskrise im Jahr 1997 herrschten. Diesmal hat sie die Schlacht mithilfe des Militärs gegen die Kräfte der Veränderung noch einmal gewonnen. Doch überleben kann sie auf lange Sicht nur, wenn sie sich den Realitäten beugt und den Weg des Kompromisses sucht. Sonst marschiert sie mitsamt der anachronistischen Monarchie in den Untergang. Und zieht dabei das Land womöglich mit sich.

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