Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
EHEC-Erreger Experten warnen vor Salat, Gurken und Tomaten aus Norddeutschland
Nachrichten Panorama EHEC-Erreger Experten warnen vor Salat, Gurken und Tomaten aus Norddeutschland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:24 26.05.2011
Noch ist unklar, ob nur eines oder mehrere Lebensmittel mit der Erkrankungswelle zusammenhängen. Quelle: dpa
Anzeige

Angesichts der Infektionswelle mit dem gefährlichen Darmkeim EHEC im Norden warnt das Robert Koch-Institut davor, rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland zu essen. Die EHEC-Erkrankten in einer Studie hätten diese Gemüse deutlich häufiger gegessen als gesunde Vergleichspersonen, teilte das Institut am Mittwoch in Berlin mit. Unterdessen hat es in Niedersachsen vermutlich einen zweiten Todesfall aufgrund einer EHEC-Infektion gegeben. Die 41 Jahre alte Frau aus dem Kreis Cuxhaven sei seit vergangenem Samstag stationär wegen einer besonders schweren Durchfallerkrankung behandelt worden, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums am Mittwoch in Hannover. Der Warnung vor den drei Gemüsesorten aus Norddeutschland schließe Niedersachsen sich uneingeschränkt an, erklärte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Gert Hahne. "Diese drei Produkte sollten nicht mehr ungekocht verzehrt werden." Mögliche Konsequenzen für die Landwirtschaft seien nachrangig.

Anzeige

Niedersachsen ist das Agrarland Nummer eins in Deutschland. "Die zuständige Lebensmittelkontrolle ist angewiesen worden, um Hamburg herum Proben von Gemüsebetrieben zu nehmen", erklärte Hahne. Grund sei, dass es in Hamburg eine auffällige Häufung von EHEC-Fällen gegeben habe die vermuten lasse, dass die Betroffenen möglicherweise das im Verdacht stehende Gemüse verzehrt haben, das aus Betrieben im Umland stammen könne. "Darüber hinaus werden auch andere Betriebe kontrolliert, bei denen man einen Zusammenhang erkennen kann zu erkrankten Patienten", sagte der Ministeriumssprecher. Weitere möglicherweise davon betroffene Orte nannte er nicht.

Vor allem Norddeutschland stark betroffen

Eine Anweisung an den Handel, Gemüse zurückzunehmen, sei im Moment nicht vorgesehen. "Einen Tomatenrückruf wird es nicht geben." Sobald aber eine bestimmte Ware oder ein Handelsname bekannt werde, der für die Infektionen ursächlich sei, würden diese Produkte unverzüglich aus dem Handel verschwinden. "Das ist ein sehr wichtiger Erkenntnisfortschritt", erklärte Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU). Dazu habe auch die enge länderübergreifende Zusammenarbeit der Gesundheitsbehörden und Veterinärbehörden beigetragen. "Oberstes Ziel muss jetzt sein, mit notwendigen Vorsichtsmaßnahmen die Zahl der Neuinfektionen einzudämmen. Wir stehen dabei in engem Kontakt mit dem Landwirtschaftsministerium." Wie eine Sprecherin des Landesbauernverbandes in Hannover erklärte, laufe die Gemüsesaison in Niedersachsen gerade erst an. Es seien allenfalls erste Tomaten und Salate aus dem Anbau in Gewächshäusern in den Handel gekommen.

Vor allem der Norden Deutschlands ist von den Infektionen betroffen: 131 Niedersachsen litten nach Angaben des Gesundheitsministeriums am Mittwoch an Durchfallerkrankungen, die von dem EHEC-Darmkeim ausgelöst worden sein könnten. Die Zahl der EHEC-Erkrankungen in Hamburg ist bis Mittwochvormittag auf mehr als 200 angewachsen. Mittlerweile wurden 140 schwere Verläufe der Durchfallerkrankung in ganz Deutschland gemeldet. Mittlerweile sei in Niedersachsen ein Subtyp des Erregers namens EHECo104 identifiziert worden, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums. Der übliche Erreger-Typus heißt EHECo157.

dpa