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EHEC-Erreger Mindestens 14 Menschen an Folgen des EHEC-Erregers gestorben
Nachrichten Panorama EHEC-Erreger Mindestens 14 Menschen an Folgen des EHEC-Erregers gestorben
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18:25 30.05.2011
Bislang sind 14 Menschen an dem EHEC-Erreger gestorben. Quelle: dpa
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Die Zahl der Neuerkrankungen mit dem lebensgefährlichen EHEC-Darmkeim in Hamburg geht zurück. Das erklärte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Montag. Sowohl die Zahl der gemeldeten EHEC- als auch die der HUS-Fälle sei geringer angestiegen. „Ich hoffe sehr, dass dies ein Indiz dafür ist, dass der Höhepunkt der Erkrankungswelle überschritten ist“, teilte Prüfer-Storcks mit. Sorge bereiten den Ärzten vor allem die neurologischen Probleme, die viele HUS-Erkrankte bekommen.

In Schleswig-Holstein ist am Montag unterdessen ein weiterer Todesfall bekanntgeworden. In einem Rendsburger Krankenhaus sei bereits am Sonnabend ein 75-jähriger Patient an den Folgen der EHEC-Infektion gestorben, teilte das Kieler Gesundheitsministerium am Montagnachmittag mit. Damit hat sich die Zahl der im Land bekannten Todesfälle auf fünf erhöht. Bis Montag 16.00 Uhr sind nach Angaben des Ministeriums 311 EHEC-Infektionen (Freitag: 248) und 115 Fälle (73) mit der schweren Komplikation HUS - dem Hämolytisch-Urämischen Syndrom - gemeldet worden.

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„Ich denke, die Situation ist ausgesprochen ernst“, sagte der schleswig-holsteinische Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Es gebe überhaupt keinen Anlass zur Entwarnung. Er betonte, dass die medizinische Versorgung im Land sichergestellt sei. Die Pfleger und Ärzte leisteten „Unglaubliches im Moment“.

In Hamburg wurden bis Montag (11.00 Uhr) 488 EHEC-Infektionen oder EHEC-Verdachtsfälle registriert (Samstag 467 Fälle). In den Kliniken werden 94 Kranke stationär wegen HUS oder HUS-Verdachts behandelt. Das sind im Vergleich zum Sonnabend drei zusätzlich gemeldete HUS-Fälle.

Allein am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) werden derzeit 58 Erwachsene mit dem HUS-Syndrom behandelt. Etwa ein Drittel von ihnen habe die Nierenfunktion verloren und müsse zur Dialyse, sagte der Nierenspezialist Prof. Rolf Stahl. „Ob das endgültig ist, wissen wir nicht.“ Zu dem Syndrom kann es etwa fünf bis sieben Tage nach den Durchfällen kommen - laut Stahl „erstaunlicherweise“ bei fast 25 bis 30 Prozent.

Sorge machen den Ärzten vor allem die neurologischen Probleme, die viele HUS-Erkrankte bekommen. Bei den schwer erkrankten Patienten gebe es „zunehmend mehr neurologische Ausfälle“, erklärte der Neurologe Prof. Christian Gerloff. „Es sind von den 58 Patienten, die momentan bei uns stationär sind, mehr als die Hälfte. Und das Bild ist sehr bunt.“ So gebe es Unruhezustände, aber auch Sprachstörungen - ähnlich wie bei einem Schlaganfall - oder Zuckungen bis hin zu epileptischen Anfällen. Neuerdings würden daher manche Patienten bereits prophylaktisch mit Medikamenten gegen solche Anfälle behandelt.

Einzelne Patienten hätten auch kleine Schlaganfälle als Folge der Erkrankung gehabt, berichtete Gerloff - weil kleine Gefäße verstopfen. „Das wird auch bleibende Schäden hinterlassen.“ Auf der Intensivstation des UKE liegen derzeit 18 Patienten, wie der Intensivmediziner Stefan Kluge berichtete. Acht von ihnen seien schwerst erkrankt und müssten beatmet werden.

Die Mediziner setzen nun Hoffnungen auf die Behandlung mit dem neuen Wirkstoff Eculizumab bei schweren HUS-Fällen. Bisher sei diese Antikörper-Therapie bei elf Patienten eingesetzt worden, berichtete Stahl. Wie erfolgreich der „Rettungsversuch“ ist, werde sich aber erst in drei bis vier Wochen zeigen.

Der Infektiologe Prof. Ansgar Lohse mahnte, die Hygieneregeln weiter strikt zu beachten. „Wir empfehlen, sich an die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zu halten.“ Schließlich sei bisher noch unklar, wo der Erreger ursprünglich herkommt. Außerdem sei der Verlauf der Krankheit von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich.

In einem Gymnasium im Stadtteil Othmarschen wurde eine zehnte Klasse vorsorglich vom Unterricht befreit, weil es gleich bei mehreren Schülern einen EHEC-Verdacht gab. Die Schüler dieser Klasse sollten daher die ganze Woche zu Hause bleiben, hieß es bei der Gesundheitsbehörde.

In Deutschland sind bisher mindestens 14 Menschen an EHEC gestorben.

dpa

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