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Der Dioxin-Skandal 1000 Betriebe in Niedersachsen nach Dioxin-Funden gesperrt
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18:28 03.01.2011
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Der Skandal um Dioxin belastetes Tierfutter weitet sich immer mehr aus - die Folgen treffen die Agrarbranche in Deutschland schwer. Allein in Niedersachsen werden 1000 Betriebe vorsorglich gesperrt. Betroffen sind nicht nur Farmen mit Legehennen, sondern auch Schweine- und Putenzüchter. Eier und Fleisch dürfen die Höfe nicht verlassen bis Tests belegen, dass die Produkte unbedenklich sind. Die gesperrten Betriebe sollen mit Dioxin belastete Futtermittel bezogen haben. Das ganze Ausmaß der Gift-Funde ist aber noch schwer abzuschätzen. Vor allem bleibt unklar, wie viele Lebensmittel in den Handel gelangt sind.

Sicher scheint mittlerweile, dass das Dioxin - ein Stoff, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein - von einem holländischen Händler kam. Er hatte dem schleswig-holsteinischen Futtermittelhersteller Harles & Jentzsch nach dessen Angaben belastete Fettsäure geliefert, die zu Futtermittel verarbeitet wurde. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe nahm Ermittlungen auf. „Wir prüfen, ob eine Straftat vorliegt“, sagte Oberstaatsanwalt Ralph Döpper.

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In Niedersachsen will das Agrarministerium Gesundheitsgefahren für die Verbraucher verhindern. „Wir legen erstmal alles still. Der Verbraucherschutz geht vor“, sagte ein Sprecher. Mehrere betroffene Bundesländer trafen am Montag Absprachen zum weiteren Vorgehen. In Sachsen-Anhalt haben mindestens vier Agrarbetriebe mit Dioxin belastetes Futter erhalten. Das teilte am Montag das Agrarministerium in Magdeburg mit. Die Höfe seien vorsorglich gesperrt worden.

Landkreis-Veterinäre müssen die Sperrung der betroffenen Betriebe in Niedersachsen in die Wege leiten. Mit Proben soll nachgewiesen werden, ob der Dioxin-Grenzwert in Eiern und Fleisch eingehalten wird. In Niedersachsen gibt es insgesamt mehr als 50.000 landwirtschaftliche Betriebe.

Am Montag wurde auch ein Fall in Thüringen bekannt. Eine Schweinezuchtanlage habe 52 Tonnen belastetes Futter von einem Werk aus Sachsen-Anhalt bekommen, teilte das Gesundheitsministerium in Erfurt mit. Ob die Lieferung schon verfüttert wurde, stand zunächst nicht fest.

In Nordrhein-Westfalen wurden 8000 Legehennen getötet, die mit Dioxin verseuchtes Futter gefressen hatten. Die Tiere einer Hühnerfarm im Kreis Soest sollten nach Auskunft des Kreisveterinärs Wilfried Hopp verbrannt werden. Er rechnet damit, dass etwa 120.000 dioxinbelastete Eier des Betriebes in den Verkauf gelangt sind. „Wir bekommen noch einige Tausend aus dem Handel zurück.“

Die Anlage mit rund 80.000 Legehennen war am 23. Dezember gesperrt worden. Bei einem Teil der Eier waren vierfach überhöhte Dioxinwerte gemessen worden. Insgesamt 14 Betriebe in Nordrhein-Westfalen und 20 in Niedersachsen durften bislang seit Bekanntwerden der Funde weder Eier noch Fleisch ausliefern, weil sie belastetes Futter verwendet haben sollen. In Niedersachsen sind laut Ministerium noch keine Tiere getötet worden.

Die mit Dioxin verseuchte Fettsäure stammte von einer Biodiesel- Anlage der Petrotec AG aus dem niedersächsischen Emden, sagte Harles & Jentzsch-Geschäftsführer Siegfried Sievert in Uetersen. Bei der Herstellung von Biodiesel aus Palm-, Soja- und Rapsöl entstehe eine pflanzliche Mischfettsäure. Diese habe Harles & Jentzsch gelegentlich erworben. Petrotec stellt Biodiesel aus Altspeisefetten her. Das Unternehmen wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben, kündigte aber eine Mitteilung zum Thema an.

Bei Harles & Jentzsch waren am Sonntag etwa 100 Proben genommen worden. Die Ergebnisse sollen erst Anfang nächster Woche vorliegen, weil der Nachweis von Dioxin aufwendig ist, hieß es beim Umweltministerium in Kiel.

dpa

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