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Der Dioxin-Skandal Bauern bangen um Entschädigung nach Dioxin-Skandal
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15:34 13.01.2011
Tausende landwirtschaftliche Betriebe wurden aufgrund des Dioxin-Skandals vorsorglich gesperrt. Quelle: dpa
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Während in Niedersachsen 330 Höfe weiter auf eine mögliche Verwicklung in den Dioxin-Skandal untersucht werden, sorgen sich die Landwirte um ihre Entschädigung. Wer letztendlich für die Dioxintests, Probeschlachtungen und Verdienstausfälle zahlen wird, die sich auf mehrere zehntausend Euro summieren können, ist noch unklar. „Es ist für die Bauern eine sehr schlechte Situation“, sagte die Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums in Hannover, Natascha Manski.

Mit der Insolvenz von Harles und Jentzsch, dem Lieferanten des vergifteten Futterfettes, habe sich die Aussicht auf Schadensersatz verschlechtert. „Man kann das so sehen, dass sich das Unternehmen aus der Verantwortung stehlen will“, meinte die Sprecherin. Landeshilfe stellte das Ministerium zunächst nicht in Aussicht.

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Direkter Ansprechpartner für die Landwirte sei der jeweilige Futtermittellieferant, sagte die Sprecherin des Landesbauernverbands in Hannover, Gabi von der Brelie. Betroffene Landwirte würden vom Verband bei der juristischen Aufarbeitung und möglichen Musterprozessen unterstützt. „Der Bauer muss aber nachweisen, dass der Lieferant nicht ordnungsgemäße Ware geliefert hat.“ Bis es zu konkreten Schadensersatzforderungen kommt, sollen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abgewartet werden. Rund 50 größere Futtermittelhersteller in Niedersachsen hatten dioxinbelastetes Fett von Harles und Jentzsch weiterverarbeitet. Inwiefern diese alle mit einer Produkthaftpflichtversicherung gegen Forderungen der Landwirte abgesichert sind, war nicht bekannt.

Von den tausenden vorsorglich gesperrten Höfen hätten vor allem die 330 größere Einbußen zu befürchten, die weiterhin blockiert sind und erst nach Einzeluntersuchungen wieder freigegeben werden sollen. „Große Reserven hat bei den Schweinemästern im Moment keiner, die stehen schon ziemlich blank dar“, meinte von der Brelie. „Die haben dieses Jahr halt umsonst gearbeitet, das ist bitter, weil die Zeichen ansonsten positiv waren.“ Keine Hilfe biete die Tierseuchenkasse, die nur bei Krankheiten und deshalb amtlich angeordneten Tötungen von Geflügel oder Vieh zahle.

Der Gesamtschaden für die Agrarbranche ließe sich noch nicht im Ansatz beziffern, sagte von der Brelie. „Der größte Schaden ist, dass die Märkte in Turbulenzen geraten sind und die Preise sinken.“ Mit Forderungen nach Landeshilfe hatte der Verband sich bisher zurückgehalten. Stattdessen hatte Verbandspräsident Werner Hilse nach niederländischem Vorbild einen gemeinsamen Entschädigungsfonds der Futtermittelfirmen angeregt.

Raiffeisenverband: Bauern können auf Entschädigung hoffen

Nach Einschätzung des Deutschen Raiffeisenverbandes (drv) können die durch den Dioxin-Skandal geschädigten Landwirte auf Entschädigung hoffen - oft aber wohl nicht in vollem Umfang. Die Futtermittelhersteller und mit Sicherheit auch Harles und Jentzsch, der Lieferant des vergifteten Fettes, verfügten grundsätzlich über eine Produkthaftpflichtversicherung, sagte die drv-Juristin Birgit Buth der Nachrichtenagentur dpa. Der Umfang der Versicherung richte sich nach der Produktionsmenge.

Für den Landwirt sei es wichtig nachweisen zu können, welcher tatsächliche Schaden ihm durch mangelhaftes Futter entstanden sei. Anschließend bleibe zu prüfen, wer dafür verantwortlich sei und in Regress genommen werden müsse. „Das ist ein dickes Stück“, meinte Buth. „Die Bauern stehen aber nicht auf verlorenem Terrain.“ Der Umfang der Schäden für die Landwirte und die Branche ließen sich noch nicht abschätzen.

Neue Entwicklungen im Dioxin-Skandal

180 mit Dioxin-Futter gefütterte Schweine, die im Dezember von Niedersachsen nach Sachsen-Anhalt geliefert wurden, sind inzwischen geschlachtet worden. Das Fleisch sei an weiterverarbeitende Betriebe gegangen, sagte der Sprecher des Tönnies-Schlachthofs in Weißenfels, Markus Eicher, am Donnerstag. Es sei davon auszugehen, dass das Fleisch inzwischen verzehrt wurde.

Unterdessen sind in der Region Hannover abermals Eier von Höfen in den Handel gelangt, die wegen des Dioxin-Skandals vorsorglich gesperrt sind. Die Landkreise seien deshalb zu sorgfältigen Kontrollen in den Supermärkten angewiesen worden, sagte die Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums.

dpa