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Der Dioxin-Skandal Betriebe handelten mit verdächtigen Eiern
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23:21 13.01.2011
Quelle: dpa
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Nach dem Fund von 2000 möglicherweise dioxinbelasteten Eiern in einem Betrieb in der Region Hannover wollen Verbraucherschutzbehörden aus Hannover und Nienburg Anzeigen gegen einen Verpacker und einen eierverarbeitenden Betrieb einleiten. Wie die Verwaltungen am Donnerstag mitteilten, stehen die Betriebe unter Verdacht, belastete Eier trotz einer vorherigen Rückrufaktion in Umlauf gebracht zu haben. Seit Donnerstag sind zudem neun schweinehaltende Betriebe in der Region Hannover gesperrt.

Die Eier stammen dem Erzeugercode zufolge von einem Hof im Landkreis Cloppenburg und wurden wohl schon Ende Dezember 2010 verkauft – unter anderem über einen Lieferanten im Landkreis Nienburg in 22 Geschäfte und Betriebe in der Region Hannover. Wie berichtet, gelangten einige der Eier auch in den Verkauf. Die Charge wurde am Sonnabend vergangener Woche zurückgerufen und nach Angaben der Betriebe noch am selben Tag vernichtet.

Vor zwei Tagen dann aber erlebten die Kontrolleure der Region Hannover eine Überraschung. Bei einer Überprüfung der 22 fraglichen Betriebe stellten sie fest, dass eines der zuvor von der Rückholaktion betroffenen Unternehmen am Dienstag und Mittwoch weitere Ladungen Eier aus Nienburg geliefert bekommen hatte. Wie bei der zurückgerufenen Charge war auch diesmal der Erzeugercode 2-DE-0350384 aufgedruckt.

„Die Ermittlungen müssen nun klären, ob die Sorgfaltspflicht verletzt wurde“, sagt Nils Meyer, Sprecher der Region Hannover. Schließlich hätte der Betrieb aus dem Umland Hannovers nach der Rückrufaktion wissen müssen, dass die Eier mit dem Code nicht sicher seien.

Auch der Verpackungsbetrieb im Landkreis Nienburg, der ein zweites und drittes Mal Eier lieferte, muss mit Konsequenzen rechnen. „Wir werden Strafanzeige gegen diesen Betrieb stellen“, sagt Sprecher Torsten Rötschke. Dabei sei noch nicht geklärt, ob es sich bei den ausgelieferten Eiern wirklich um die verdächtigen Eier aus Cloppenburg handele, oder ob der Lieferant, der auch einen Legehennenbetrieb bewirtschaftet, den Cloppenburger Erzeugercode auf eigene Eier aufdruckte. „In beiden Fällen wäre das ein Verstoß gegen Vorschriften“, erklärte Rötschke.

Untersuchungen des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) haben zudem überschrittene Grenzwerte für Dioxin im Futtermittel aus hannoverschen Proben festgestellt. Die Betriebe in Uetze, Neustadt, Wedemark und Burgdorf dürfen seit Donnerstag keine Schweine in Umlauf bringen, bis Probeschlachtungen eine Belastung ausgeschlossen haben.

Das niedersächsische Agrarministerium teilte am Donnerstag mit, dass die Landkreise zu sorgfältigen Kontrollen in den Supermärkten angewiesen worden seien. „Sie sollen verstärkt danach gucken, ob verbotenerweise belastete Ware in den Handel geraten ist“, sagte eine Sprecherin. Von einer solchen Anweisung hat die Region Hannover jedoch nichts gehört. „Das machen unsere Mitarbeiter aber ohnhin schon“, sagte ein Sprecher.

Dirk Schmaler und Marina Kormbaki