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Der Dioxin-Skandal Die Angst der Bauern vorm Dioxin
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09:23 05.01.2011
Die Bauern befürchten durch den Dioxin-Skandal einen Imageverlust. Quelle: dpa
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Im Stall von Jürgen Seegers wühlen die Sauen wohlig grunzend im Stroh. Mit ihren Knopfaugen blicken sie den Landwirt erwartungsvoll an. Doch dieser ist wegen des Dioxin-Skandals mit seinen Gedanken ganz woanders. „Ich habe Angst“, gesteht der 53-Jährige.

1000 Bauernhöfe haben die Behörden in Niedersachsen vorerst gesperrt. Auch wenn Seegers Betrieb nicht betroffen ist, einen Imageschaden befürchtet auch er. „Der Verbraucher reagiert natürlich“, sagt Seegers. So war es bei BSE, Vogelgrippe und Schweinepest. So wird es auch beim Dioxin sein.

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Mit der Landwirtschaft ist der große Mann von klein auf vertraut. Den Betrieb in Großenkneten bei Oldenburg übernahm er von seinem Vater und führt ihn mittlerweile in der vierten Generation. Er weiß, wie schnell ein Skandal wie dieser einen Familienbetrieb in den Ruin treiben kann. Betroffene wollen sich deshalb nicht öffentlich äußern - zu groß ist die Angst vor dem Imageverlust.

Zwar handelt es sich bislang nur um Verdachtsfälle. Doch solange die Proben nichts anderes beweisen, dürfen die gesperrten Höfe keine Eier, kein Puten-, Hähnchen- und Schweinefleisch verkaufen. „Für die Betriebe ist es sehr hart. Ein paar Tage kann man das aushalten, länger aber nicht“, erläutert Seegers, der Kreisvorsitzender beim Landvolk, dem niedersächsischen Bauernverband ist.

Vor allem bei den Masttieren ist das problematisch. „Es wird eng im Stall, weil es kommen ja immer neue Tiere nach“, weiß Seegers. Geflügel wird normalerweise nach sechs Wochen geschlachtet. Später ist das nicht möglich. „Die nehmen ja rapide zu.“ Im schlimmsten Fall müssen Bauern ihre Tiere töten lassen, ohne das Fleisch verkaufen zu können.

Für einen Hähnchenmäster mit 40.000 Tieren - wie sie in Niedersachsen keine Seltenheit sind - könnte das nach Angaben von Seegers ein Totalverlust von 120.000 Euro bedeuten. Der Deutsche Bauernverband geht deshalb von Schäden in Millionenhöhe aus, die allein durch die Sperrung der Höfe entstehen.

Trotzdem hält die Niedersächsische Geflügelwirtschaft diese Vorsichtsmaßnahme für gerechtfertigt. „Da hat man die Notbremse gezogen - und das ist richtig so“, meint der Vorsitzende des Verbandes, Wilhelm Hoffrogge. „Für den einzelnen Betrieb ist das ein wirtschaftlicher Verlust, keine Frage. Aber der Verbraucherschutz steht an erster Stelle.“

Seine Mastschweine füttert Seegers mit Getreide von seinen eigenen Feldern. In zwei dunkelblauen Silos lagert es tonnenweise auf seinem Hof. Für die Ferkel und die Milchkühe kauft er jedoch Futter von einem Hersteller. Obwohl die Pellets nicht mit Dioxin belastet waren, macht er sich Sorgen - wer weiß, ob er beim nächsten Mal ebenfalls verschont bleibt.

„Davor ist niemand gefeit. Uns bleibt nichts anderes übrig als darauf zu vertrauen, dass die Hersteller die Rohstoffe ständig überprüfen.“ Auf Bio-Futter will er dagegen nicht um steigen. Denn selbst da habe es schon Dioxin-Skandale gegeben, begründet er.

dpa

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