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Der Dioxin-Skandal Dioxin im Ei: Niedersachsen sperrt 1000 Bauernhöfe
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14:39 04.01.2011
Von Margit Kautenburger
Niedersachsen hat 1000 Bauernhöfe gesperrt. Quelle: dpa
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„Dies bedeutet, dass weder Fleisch noch Eier derjenigen Betriebe in den Handel gelangen“, sagte der Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, Gert Hahne. „Wir legen erstmal alles still. Der Verbraucherschutz geht vor“, betonte er.

Die gesperrten Betriebe in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sollen mit Dioxin belastetes Mischfutter bezogen haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es bestehe aber keine akute Gesundheitsgefahr, betonte Hahne. Um durch das Dioxin geschädigt zu werden, müsste man schon riesige Mengen Eier verzehren. Verbraucherschutzorganisationen forderten indes einen besseren Schutz der Konsumenten.

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Die Belastung von Eiern mit dem als krebserregend geltenden Umweltgift Dioxin geht vermutlich auf verunreinigtes Hühnerfutter zurück. Es stammt von einer Firma aus Schleswig-Holstein. Dieser Futtermittelproduzent, es handelt sich um das Unternehmen Harles & Jentzsch aus Uetersen, bezog dioxinbelastete Mischfettsäure über einen niederländischen Händler. Die Ware selbst stammt ursprünglich von einer Biodiesel-Anlage der Petrotec AG in Emden. Am 23. Dezember sei die Belastung bei einer Routinekontrolle aufgefallen.

Harles & Jentzsch hatte die Milchfettsäure aus Holland direkt zur Weiterverarbeitung an andere Betriebe geschickt, unter anderem nach Bösel in Niedersachsen, wo daraus Tier-Mischfutter hergestellt wurde. Es sei daher schwierig herauszufinden, ob und in welchen Konzentrationen verschiedene Futtermittel dioxinbelastet seien. Nicht erwiesen ist bislang, wie das Dioxin in das Fett gelangt ist. Ministeriumssprecher Hahne glaubt nicht mehr an einen Fehler. Vermutlich sei das Fett sechs Wochen lang verunreinigt worden, was einen schlichten Fehler unwahrscheinlich mache.

Nach Informationen der Grünen im Landtag sind die eigentlich für die Industrie bestimmten Fette, wie sie in Emden produziert werden, billiger als andere Pflanzenfette für die Futtermittelproduktion. Agrarexperte Christian Meyer wirft den Behörden in Niedersachsen vor, das Dioxin-Problem aus Rücksicht auf die Geflügelwirtschaft zunächst verharmlost zu haben. „Es ist unverantwortlich, dass trotz des vorbeugenden Lieferstopps in Nordrhein-Westfalen in Hannover nicht reagiert wurde“, kritisierte Meyer.

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