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Der Dioxin-Skandal Dioxin in Eiern: Verursacher aus Schleswig-Holstein
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15:31 31.12.2010
Quelle: dpa
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Offenbar seien in dem Betrieb Fette zur Herstellung von Tierfutter mit technischen Fetten vermischt worden, die zur Papierherstellung benutzt werden - und das über mehrere Wochen hinweg. Noch unklar ist, ob dies aus Versehen passierte oder ob vorsätzlich gehandelt wurde - Industriefette sind günstiger als Futtermittelfette.

Der Betrieb hat seinen Sitz nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa in Uetersen im Kreis Pinneberg. Für eine Stellungnahme war in dem Unternehmen am Freitag niemand zu erreichen.

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„Wir haben neue Hinweise, dass Futterhersteller mit dem verunreinigten Fett nicht nur bis Mitte November, sondern bis Mitte Dezember beliefert wurden“, sagte in Hannover Ministeriumssprecher Gert Hahne. Es sei nun nicht ausgeschlossen, dass auf das Unternehmen in Uetersen Schadensersatzforderungen der betroffenen Eierproduzenten und Hähnchenmäster zukommen könnten, erklärte er. Offen blieb zunächst, ob auch die Staatsanwaltschaft bereits Ermittlungen aufgenommen hat.

In Niedersachsen sind von den Dioxinfunden derzeit rund 20 Betriebe betroffen, die täglich rund 400.000 Eier produzieren. Die Eier werden nun auf Dioxin-Grenzwertüberschreitungen überprüft, bevor sie in den Handel gelangen dürfen. Werden die Werte überschritten, müssen die Eier vernichtet werden.

In welchem Unfang bereits belastete Produkte in die Geschäfte gingen, ist noch unklar. Genauere Erkenntnisse über das Ausmaß der Belastungen in Niedersachsen werden für Anfang nächster Woche erwartet, dann sollen die ersten offieziellen Untersuchungsergebnisse vorliegen.

In Niedersachsen wurden nach dem Dioxinfund insgesamt sieben Mischfutterhersteller überprüft, die von mit dem belasteten Fett beliefert wurden. Lediglich ein Betrieb aus Dinklage habe seinem Futter aber derart viel Fett beigemischt, dass es zu Überschreitungen der Dioxin-Grenzwerte kam.

Nun wird ermittelt, an welche Firmen der Dinklager Betrieb seine Futter verkaufte. „Die Ermittlung aller beteiligten Firmen wird sicher noch die nächste Woche in Anpsruch nehmen. Wir warten auf eine Liste der Behörden aus Schleswig-Holstein. Wenn wir die haben, werden wir weitere Proben ziehen“, sagte der Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Theoretisch sei auch denkbar, dass dioxinbelastetes Futter nicht nur an Geflügel, sondern auch an andere Tiere verfüttert worden sei.

Greenpeace-Experten Manfred Santen betonte in einem dpa-Gespräch: „Dioxin hat in Nahrungsmitteln nichts zu suchen.“ Dioxine könnten schon in kleinen Mengen krebserregend sein. In Deutschland würden sie in erster Linie über Nahrungsmittel aufgenommen, zum Beispiel über Milch. Die Situation habe sich insgesamt verbessert. „Ein Fortschritt bei den Kontrollen ist erkennbar“, sagte der Greenpeace-Experte.

Auch in Nordrhein-Westfalen gerieten nach den Dioxinfunden weitere landwirtschaftliche Betriebe ins Visier der Verbraucherschützer. Auf bis zu 25 Höfen stünden Kontrollen bevor, sagte Nordrhein-Westfalens zuständiger Minister Johannes Remmel (Grüne). Konkret betroffen sind dort derzeit ein Betrieb im Kreis Soest und einer im Kreis Steinfurt.

Der NRW-Minister kritisierte erneut die schwarz-gelbe Landesregierung von Niedersachsen. „Wir haben den Eindruck, dass man die Brisanz offensichtlich nicht vollständig erkannt hat“, sagte er.

dpa