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Der Dioxin-Skandal Dioxinskandal soll im Landtag Thema sein
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16:48 06.01.2011
Bis zu 150.000 Tonnen Futter mit krebserregendem Dioxin haben in Deutschland Unmengen von Schweinefleisch und Geflügelprodukten verseucht. Quelle: dpa
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Die Aufklärung des Dioxinskandals im Futtermittel für Tiere beschäftigt weiter Politik, Verbraucher, Landwirte und Staatsanwaltschaften. Die Grünen im Niedersächsischen Landtag haben Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) aufgefordert, den Dioxin-Skandal zur Chefsache zu machen. Er solle eine Regierungserklärung im Landtag zum Verbraucherschutz abgeben, verlangte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel am Donnerstag in Hannover. Die Landesregierung müsse darlegen, wie sie künftig solche „Machenschaften“ in der Futtermittelbranche verhindern wolle.

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Regierungschef McAllister sagte der dpa, fachlich sei das Agrarministerium zuständig. Das Thema sei auch zu ernst für parteitaktische Spielereien.

Die Spitze des Agrarministeriums in Hannover ist derzeit nicht besetzt. Der neue Minister Gert Lindemann (CDU) wird am 19. Januar im Landtag in Hannover vereidigt und übernimmt dann sein Regierungsamt. Seine Vorgängerin Astrid Grotelüschen (CDU) musste wegen Querelen um den Tierschutz und Billiglöhnen in der Geflügelindustrie ihren Posten aufgeben.

Außerdem wollen sich die Grünen am Donnerstag unter dem Motto „Erneut Dioxin in Agrarprodukten - Einschätzungen, Forderungen und Vorschläge der Grünen“ mit dem Thema befassen.

Verantwortlich für Herstellung und den Vertrieb des verseuchten Futterzusatzstoffes soll der Futterfetthersteller Harles und Jentzsch in Schleswig-Holstein und ein zum Betrieb gehörendes Werk in Bösel (Kreis Cloppenburg) sein. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten am Mittwoch an beiden Standorten Unterlagen beschlagnahmt und Proben gezogen. Zwischen steht das Unternehmen nach einem Bericht im „Westfalen-Blatt“ (Bielefeld) möglicherweise kurz vor der Insolvenz.

An eine zufällige, ungewollte Beimischung einer von einem anderen Unternehmen gekauften technischen Mischfettsäure glauben immer weniger. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) bezweifelt, dass das Dioxin durch einen Fehler beigemischt wurde, wie Harles und Jentzsch behauptet. Auch das niedersächsische Agrarministerium weist inzwischen diese Behauptung zurück. „Wir glauben dieser Darstellung nicht mehr“, sagte Ministeriumssprecher Gert Hahne in Hannover. Angesichts der Menge der beanstandeten Fette halte das Ministerium ein menschliches Versagen in der Firma für unwahrscheinlich.

Der Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), Eberhard Haunhorst, führt den Fall auf eine „eher kriminelle Machenschaft“ zurück. Der Mischbetrieb in Bösel, der die dioxinverseuchten Fette beigemischt und an weiterverarbeitende Betriebe geliefert haben soll, sei illegal betrieben und deshalb nicht kontrolliert worden, sagte Haunhorst dem NDR Studio Oldenburg. Es handele sich eindeutig um ein kriminelles Vorgehen.

Bis zu 3000 Tonnen verseuchtes Futterfett wurden nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums im November und Dezember hergestellt und an Futtermittelhersteller geliefert. Von dem Skandal ist inzwischen auch Bayern betroffen. Dort bestätigte sich am Mittwochabend ein Dioxin-Verdacht. Ein Oberpfälzer Großhändler hatte rund 410.000 Eier von einem Betrieb in Niedersachsen erhalten. Wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen berichtete, liegt der bei Proben festgestellte Dioxingehalt teilweise dreimal so hoch wie der zulässige Grenzwert.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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