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Der Dioxin-Skandal Erneut extreme Dioxin-Belastungen in Futterfett-Proben
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18:49 08.01.2011
Erneut sind in Futterfett-Proben des Herstellers Harles und Jentzsch extreme Dioxin-Belastungen gefunden worden. Quelle: dpa
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Weitere sieben Futterfett-Proben des Herstellers Harles und Jentzsch in Uetersen im Kreis Pinneberg haben zum Teil extrem hohe Dioxin-Belastungen - in der Spitze fast bis zum 73-Fachen des erlaubten Grenzwerts. Das teilte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Kiel am Sonnabend mit. Ein Lichtblick: In Kürze soll das Schlachtverbot für etwa 20 landwirtschaftliche Betriebe wieder aufgehoben werden.

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Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ hat die Firma staatlichen Kontrolleuren im vergangenen Jahr überhöhte Dioxin-Werte vorenthalten. Den Prüfern seien beim Besuch des Unternehmens am 28. Juli 2010 nicht die positiven Testergebnisse von Eigenkontrollen auf Dioxin vorgelegt worden, berichtete das Magazin am Samstag.

Nach Ansicht des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums spricht vieles dafür, dass der Futterfetthersteller seine Kunden betrogen und technische Mischfettsäure als teures Futterfett verkauft habe. Für eine Tonne Industriefett habe die Firma bloß 500 Euro erlösen können, für eine Tonne Futterfett hätten die Kunden aber 1000 Euro bezahlt. Hier liege der Verdacht der falschen Rechnungsstellung und somit der Steuerhinterziehung nahe, hieß es. Ohnehin ermittelt die Justiz gegen das Unternehmen wegen des Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz.

Bei acht jetzt ausgewerteten Proben hat laut Kieler Ministerium der Dioxingehalt zwischen 0,39 Nanogramm (ng) und 54,67 ng betragen - bei einem zulässigen Grenzwert von 0,75 ng. Bereits am Freitag waren Werte sogar von fast dem 78-Fachen des Grenzwertes ermittelt worden. Der Dioxin-Spitzenwert in einer Probe betrug 58,17 ng.

Die Analysewerte seien unverzüglich an die Behörden der Länder weitergeleitet worden, in denen die Empfangsbetriebe liegen, so dass von dort weitere Schritte veranlasst werden könnten.

Insgesamt hatte das Ministerium 112 Futterfettproben aus Eingangs- und Ausgangsware der Firma Harles und Jentzsch zur Untersuchung gegeben, von denen bislang 38 Laboranalysen vorliegen. In aktuell 13 Fällen wurde der zulässige Höchstgehalt an Dioxin unterschritten, in 25 Fällen überschritten.

Der Ministeriumssprecher betonte, dass für Futtermittel etwa ein bis fünf Prozent Futterfett verwendet werde, in Ausnahmen bis zu zehn Prozent. Wegen der Beimischung anderer Futterkomponenten sinke der Dioxingehalt insgesamt. „Dennoch sind die genannten 25 Proben wegen der Höchstgehaltüberschreitung nicht für die Futtermittelherstellung geeignet.“ Weitere Laborergebnisse will das Ministerium am Montag bekanntgegeben.

Unterdessen bereitete das Ministerium die Aufhebung der ersten Schlachtverbote vor. Am Freitag hatte Niedersachsen das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium informiert, dass von drei niedersächsischen Futtermittelherstellern an 22 landwirtschaftliche Betriebe in Schleswig-Holstein möglicherweise dioxinbelastetes Futter geliefert wurde. Nach neuen Erkenntnissen könnten die daraufhin ausgesprochenen Schlachtverbote für einen Großteil der betroffenen Betriebe wahrscheinlich Anfang der kommenden Woche aufgehoben werden, hieß es am Sonnabend.

Der Verband der Öl- und Fetthändler wehrte sich gegen den Eindruck, dass die Rohstoffe für Futtermittel nicht ausreichend kontrolliert würden. „Alle Betriebe in der Lebensmittelkette haben in den vergangenen zehn Jahren ein umfangreiches Qualitätsmanagement aufgebaut“, sagte Christof Buchholz, Geschäftsführer des Deutschen Verbandes des Großhandels mit Ölen, Fetten und Ölrohstoffen (Grofor), in Hamburg. In den größeren Handelsbetrieben würden die Lieferungen im Rahmen eines Monitoring-Systems genau kontrolliert. Das betreffe nicht nur Dioxin, sondern ebenso die Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Schwermetalle oder andere potenziell gesundheitsschädliche Stoffe. Kleinere Betriebe würden ihre Handelswaren stichprobenartig überprüfen.

dpa

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