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Der Dioxin-Skandal Jetzt auch Schweinefleisch mit Dioxin belastet
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10:39 12.01.2011
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Betroffen sind möglicherweise bis zu 8000 Schweine.

Aufgefallen ist das dioxinverseuchte Fleisch im Betrieb eines Schweinemästers, der gleichzeitig als Futtermittelhändler und -hersteller tätig ist. Der Landwirt hatte seit längerer Zeit seine Fette von der Firma Harles und Jentzsch aus Uetersen bezogen, die dioxinhaltige Industrieöle als Futterfett vertrieben hatte. Dass der Dioxingehalt im Schweinefleisch des Mastbetriebes so auffällig hoch ist, hat vermutlich damit zu tun, dass der Landwirt seinem Futter einen wesentlich höheren Fettanteil zusetzte als allgemein üblich. Da der Futtermittelhändler neun weitere Betriebe mit seiner Futtermittelmischung belieferte, wird auch deren Schweinefleisch nun näher untersucht.

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Vorerst werden 140 schlachtreife Schweine des betroffenen Betriebs im Raum Langwedel gekeult. Denkbar ist, dass auch die übrigen 8000 Tiere, an die die Futtermischung verfüttert wurde, getötet und entsorgt werden müssen. „Wir werden verhindern, dass das belastete Fleisch in den Handel gelangt“, sagte der Leiter des Verdener Kreisveterinäramts Peter Rojem. Nicht auszuschließen allerdings sei, dass dioxinbelastetes Fleisch aus dem Landkreis Verden bereits vor dem Bekanntwerden der Dioxinverseuchung in die Fleischtheken gelangte.

Das niedersächsische Agrarministerium schließt nicht mehr aus, dass mit Dioxin belastetes Schweinefleisch in den Handel gekommen ist. Am Dienstag hatte Agrar-Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke Dioxin-Fleisch im Handel noch ausgeschlossen. Ministeriumssprecher Gert Hahne sagte am Mittwoch in Hannover, Ripke sei noch nicht auf dem neuesten Stand des zuständigen Kreis-Veterinärs in Verden gewesen.

Der Landwirt hatte vor der Sperrung seines Hofes Anfang Januar noch Schweine geschlachtet. Deshalb soll nun geprüft werden, ob belastetes Fleisch dieser Tiere in den Handel gelangt ist.

Der betroffene Futtermittelhersteller vertrieb seine spezielle Futtermischung mit dem hohen Fettanteil schon bereits seit vielen Monaten. Ein höherer Fettanteil im Schweinefutter verspricht eine schnellere Gewichtszunahme.

Experten vermuten, dass noch mehr dioxinbelastetes Schweinefleisch gefunden werden könnte. Mit den Probeschlachtungen in Niedersachsen ist erst vor wenigen Tagen begonnen worden. Zuvor war die Zahl der gesperrten Verdachtsbetriebe von 4500 auf 1500 reduziert worden.

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) gerät unterdessen immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik aus der Opposition. SPD und Grüne werfen ihr vor, zu unkonkrete und ungenügende Maßnahmen gegen die Dioxinbelastung deutscher Lebensmittel vorzuschlagen. Mehr als 300 Professoren und Wissenschaftler unterzeichneten in Berlin einen Appell gegen die Massentierhaltung.

Möglicherweise Dioxin belastetes Fleisch in Nordbayern verkauft

In nordbayerischen Supermärkten ist möglicherweise mit Dioxin belastetes Schweinefleisch verkauft worden. Das berichten die „Nürnberger Nachrichten“ (Mittwoch). Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen bestätigte dem Blatt, dass im Dezember 400 geschlachtete Tiere aus einem Mastbetrieb in Sachsen-Anhalt an mehrere Märkte in Nordbayern geliefert wurden. Der Hof sei mittlerweile gesperrt worden, weil der Verdacht bestehe, dass die Schweine mit verunreinigtem Futtermittel gemästet wurden. Ob das Fleisch tatsächlich mit Dioxin belastet war, lasse sich nicht mehr feststellen, die Ware sei längst verkauft.

Heinrich Thies/dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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