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Der Dioxin-Skandal Legehennenbetrieb sitzt auf 550.000 Eiern
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17:12 10.01.2011
Viele Landhöfe können ihre Ware nicht verkaufen - ein Verlustgeschäft. Quelle: dpa
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Auf dem Hühnerhof von Theodor Meyer in Emstek (Kreis Cloppenburg) stapeln sich 550 000 Eier. Der Legehennenbetrieb mit seinen 55 000 Hühnern war zwei Tage vor Weihnachten wegen Dioxin-Verdachts vorsorglich gesperrt worden, seit vergangenem Mittwoch ist er wieder freigegeben. „Doch keiner will die Eier kaufen und täglich kommen 30 000 dazu“, klagt Meyer. Schuld daran sei die Veröffentlichung der Stempelnummer. „Diese Nummer ist verbrannt.“ Er werde jetzt eine neue beantragen müssen.

Der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) hatte Anfang Januar in einem Rundschreiben die Stempelnummern von Meyers Egterholz Ei GbR und eines weiteren Betriebes aus dem Kreis Vechta mit dem Hinweis bekanntgegeben, die Laborergebnisse lägen höher als der gesetzlich zugelassene Grenzwert von 3 ng/kg. Seitdem stehen sie auf verschiedenen Seiten im Internet. „Da wird unsere Stempelnummer wohl nie wieder rauskommen“, glaubt Meyer. Von KAT war dazu zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

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Der Landkreis hatte den Betrieb in der vergangenen Woche wieder freigegeben. „Nach neuen Untersuchungsergebnissen war der Grenzwert eingehalten“, sagt Kreissprecher Ansgar Meyer. Zuvor hatten Prüfungen ein „fragliches Ergebnis im Bereich des Grenzwertes“ ergeben. Der Landwirt hatte Futtermittel von einem Hersteller aus Dinklage bezogen, der wiederum war mit Dioxin belastetem Fettfutter von Harles und Jentzsch aus Schleswig-Holstein beliefert worden.

Sollte der Landwirt mit seinen 55 000 Legehennen auf seinen Eiern sitzen bleiben, droht ihm nach eigenen Angaben ein Schaden von rund 50 000 Euro. Aber er hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Nach einem ersten Beitrag im NDR Fernsehen am Montag (10.) hätten sich einige Großabnehmer bei ihm gemeldet, berichtet Meyer und hofft nun, seinen Verlust noch minimieren zu können. Den Marktpreis von im Durchschnitt 8 bis 9 Cent pro Ei werde er zwar nicht mehr erzielen - aber vielleicht 5 bis 6 Cent. Der Erlös decke allerdings nicht einmal die Kosten für Futter und Stallbetrieb von 6,5 Cent pro Ei.

KAT gab am Montag bekannt, es bestehe nach wie vor kein Grund zur Annahme, dass mit Dioxin belastete Eier durch KAT-Legebetriebe in den Handel gelangt seien. Bio-Ware sei zu keiner Zeit betroffen gewesen. Auch Meyers Hof ist Mitglied bei KAT. Ein Futtermittel-Hersteller hatte bei eigenen Kontrollen leicht erhöhte Dioxinwerte in seiner Ware entdeckt und KAT die Liste der damit im November belieferten Legehennen-Betriebe übermittelt. Dazu zählte auch die Egterholz Ei GbR. Die Höfe waren daraufhin vorsorglich gesperrt worden.

Nach Angaben des niedersächsischen Agrarministerium sind bisher nur in weniger als zehn Betrieben tatsächlich belastete Erzeugnisse gefunden worden. Noch laufen Überprüfungen in 1470 Betrieben.

Bei der Landwirtschaftskammer in Oldenburg klingeln vermehrt die Telefone. „Bauern schildern uns ihre Nöte, dass sie ihre Ware nicht verkaufen können“, sagt Sprecher Walter Hollweg. Bei den meisten herrsche große Betroffenheit und auch Wut, dass sie in Misskredit gebracht worden seien. „Sie sind in dem Prozess das Ende der Kette.“ Nicht abzusehen seien mögliche Folgeschäden. „Die Verbraucher sind zurückhaltend beim Eierkauf.“ Dadurch könnten die Märkte und damit die Preise unter Druck geraten, sagt Hollweg.

dpa

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