Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Der Dioxin-Skandal Polizei durchsucht Futtermittel-Hersteller Harles und Jentzsch
Nachrichten Panorama Themen Der Dioxin-Skandal Polizei durchsucht Futtermittel-Hersteller Harles und Jentzsch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:44 05.01.2011
Von Karl Doeleke
Im Visier der Polizei: Futtermittel-Hersteller Harles und Jentzsch. Quelle: dpa
Anzeige

Das Unternehmen Harles und Jentzsch aus Uetersen in Schleswig-Holstein lieferte das vergiftete Futterfett an 25 Mischfutterhersteller in acht Bundesländern.

Anzeige

Die Staatsanwaltschaften Itzehoe und Oldenburg durchsuchten am Mittwoch den Firmensitz des Ölverarbeiters Harles und Jentzsch und einen weiteren unter Verdacht geratenen Betrieb im niedersächsischen Bösel bei Cloppenburg. Sie beschlagnahmten Papiere und nahmen Proben von den Futtermitteltanks. Die beiden geschäftlich verbundenen Firmen stehen im Verdacht, über einen längeren Zeitraum die für Tierfutter ungeeignete Mischfettsäure, die bei der Herstellung von Biodiesel aus Palm-, Soja- und Rapsöl anfällt, ins Futterfett gemischt zu haben. Unklar ist noch, wie das Dioxin in das Fett gelangte.

Vom 12. November bis zum 23. Dezember wurde das Futterfett ausgeliefert, einen Tag vor Weihnachten informierte ein Mischfutterhersteller aus Dinklage das Agrarministerium in Niedersachsen über erhöhte Dioxinwerte. Seit Dienstag sind rund 1000 Betriebe im Land gesperrt. Im Emsland stehen seit Mittwoch auch 15 Milchbetriebe und 31 Höfe mit Mastrindern unter Dioxin-Verdacht.

Am kommenden Dienstag ist eine Sondersitzung des Agrarausschusses im Bundestag mit niedersächsischer Beteiligung angesetzt. „Wir würden gerne mit einem Vertreter der Landesregierung reden“, sagte die hannoversche Abgeordnete Kerstin Tack (SPD), „zum Beispiel Friedrich-Otto Ripke“. Damit würde der Agrar-Staatssekretär im Zusammenhang mit dem Dioxin-Skandal doch noch vor einen Ausschuss geladen. Die Regierungsfraktionen in Niedersachsen hatten gerade verhindert, dass der Landtag in Hannover die Beteiligten hört. Der Agrarexperte der Grünen, Christian Meyer, bezeichnete das als „Skandal“: Die Öffentlichkeit habe einen Anspruch darauf, dass sich die Regierung den Fragen des Parlaments stellt.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) vermutet, dass wenige schwarze Schafe den Skandal verursacht haben. „Für mich gilt: Wer die Existenz hunderter Betriebe aufs Spiel setzt und die Gesundheit von Verbrauchern gefährdet, muss zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte Aigner dieser Zeitung. Leidtragende seien die Landwirte. „Wichtig ist: Verbraucher und Landwirte brauchen jetzt Klarheit.“

Dirk Schmaler, Karl Doeleke und Stefan Koch

Mehr zum Thema

Der Dioxin-Skandal weitet sich immer mehr aus. Einem vertraulichen Bericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge könnten 30.000 bis 150.000 Tonnen Futtermittel mit insgesamt 3000 Tonnen des verunreinigten Schmierfetts aus einer Biodieselanlage in Emden in die Tröge von Legehennen, Mastgeflügel und Schweinen gelangt sein.

Karl Doeleke 05.01.2011

Die Staatsanwaltschaft in Oldenburg geht im Dioxin-Skandal einer weiteren Spur nach. Gegen eine Firma in Bösel (Kreis Cloppenburg) laufe ein Vorermittlungsverfahren, sagte Staatsanwalt Rainer du Mesnil. „Es besteht derzeit noch kein Tatverdacht.“ Verbraucherschützer raten derzeit vom Verzehr von Eiern und Geflügelfleisch ab.

05.01.2011

Nach den Dioxinfunden in Eiern sickern immer mehr Details durch. Demnach musste Niedersachsen zur Sperrung von rund 1000 Höfen gedrängt werden. Das Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz bezeichnete derweil das Futter als „außerordentlich hoch“ belastet.

05.01.2011
Karl Doeleke 05.01.2011
05.01.2011
05.01.2011