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Der Dioxin-Skandal Schweine müssen sterben, Eier von gesperrten Höfen im Handel
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17:50 11.01.2011
Quelle: dpa
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Im Dioxin-Skandel werden erstmals Schweine getötet. 140 Tiere eines Mästers im niedersächsischen Kreis Verden sollen zum Schlachthof und anschließend in der Tierbeseitigungsanlage des Landkreises vernichtet werden, sagte Kreisveterinär Peter Rojem am Dienstag in Verden. Bei zwei Probeschlachtungen sei der Grenzwert für eine Dioxinbelastung um 50 Prozent überschritten worden.

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Zudem gelangten Eier eines wegen des Skandals gesperrten Hofes in Supermärkten in den Handel. Am kommenden Dienstag wollen sich nun nach Angaben des Bremer Gesundheitsressorts die Verbraucherschutz- und Agrarminister der Länder mit Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) wegen eines Aktionsplans Futtermittelsicherheit treffen. Dies sagte eine Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Der betroffene Schweinemäster aus dem Raum Langwedel betreibt ein eigenes kleines Futtermittelwerk und hatte das mit Dioxin belastete Fettfutter aus Schleswig-Holstein selbst eingemischt. Neun weitere Schweinemäster im Landkreis hätten Futter aus diesem Werk erhalten. Die Höfe seien gesperrt, sagte Rojem. An diesem Donnerstag sollen dort Probeschlachtungen erfolgen.

Rojem kann nicht ausschließen, dass dioxinhaltiges Schweinefleisch auf den Markt gekommen ist. Zuletzt seien Schweine am 29. Dezember geschlachtet worden, gesperrt worden sei der Betrieb Anfang Januar. „Wir sind bemüht, das Fleisch wiederzufinden und aus dem Verkehr zu ziehen.“

Niedersachsens Agrar-Staatssekretär Friedrich-Otto Ripke schloss indes aus, dass solches Schweinefleisch in den Handel gelangt ist. „Wir haben alle Betriebe gesperrt, die belastetes Futtermittel empfangen haben. Ich kann sicher sagen, dass belastetes Schweinefleisch nicht in den Handel gelangen wird und wir können ausschließen, dass dioxinbelastetes Schweinefleisch bereits in den Handel gelangt ist“, sagte er dem NDR.

Rojem und Kreislandwirt Joost Meyerholz rechnen nicht mit weiteren Fällen. Der Landwirt habe nach eigenen Angaben beim Futtermischen den Fettanteil deutlich erhöht. Normal für Schweinefutter sei ein Zusatz von ein bis zwei Prozent. Hier seien es möglicherweise bis zu zehn Prozent. „Der Verbraucher muss bei Schweinefleisch keine Befürchtungen haben“, sagte Rojem.

Bei den in Supermärkten aufgetauchten Eiern hatte ein Verbraucher sich am Montag mit einer entsprechenden Packung an Behörden gewandt. Dies teilte die Region Hannover am Dienstag mit und bestätigte Medienberichte. Der Abpacker aus dem Kreis Nienburg habe die Eier am Samstag zurückgerufen, dennoch seien Kontrolleure am Montag noch in mehreren Läden auf Packungen gestoßen. Die Eier stammen von einem Betrieb aus dem Kreis Cloppenburg. Die Veterinärämter beider Kreise ermitteln den Hintergrund der Panne. Das Agrarministerium geht von einem Versehen und nicht von Vorsatz aus.

Der niedersächsische Justizminister Bernd Busemann (CDU) forderte hohe Strafen für die Verantwortlichen des Skandals. „Wenn sich das alles so bewahrheitet, ist das erhebliche kriminelle Energie“, sagte der Minister in Hannover. „Nach derzeitigem Stand kann ich mir nicht mehr vorstellen, dass irgendwelche Dinge fahrlässig stattfanden.“ Die Hauptverantwortung sieht Busemann nach den bisherigen Ermittlungen bei dem Unternehmen Harles und Jentzsch in Schleswig-Holstein. „Hier wird über erhebliche Freiheitsstrafen zu denken sein“, sagte der Minister.

Niedersachsen gab unterdessen weitere 1140 wegen des Dioxin-Skandals vorsorglich gesperrte Höfe wieder frei. Die nun noch gesperrten 330 Schweine- und Putenmäster sowie Legehennenbetriebe würden einzeln kontrolliert, um Risiken für die Lebensmittelsicherheit auszuschließen, sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Hannover, Gert Hahne.

Um eine Wiederholung des Dioxin-Skandals auszuschließen, will Niedersachsen die Futtermittelproduktion künftig von der von Industriefett trennen und dieses einfärben lassen. Das wollte Agrarstaatssekretär Friedrich-Otto Ripke an diesem Dienstag im Ernährungsausschuss des Bundestages vorschlagen, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Außerdem sollten Regeln für die Eigenkontrolle der Futtermittelindustrie verschärft werden. Der aktuelle Lebensmittelskandal ist nach Auffassung der agrarpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Andrea Schröder-Ehlers, nicht nur Resultat der kriminellen Machenschaften eines Einzelnen. Dahinter stecke Systemversagen. Die Grünen forderten eine deutliche Ausweitung der Kontrollen. Das System der Eigenkontrollen habe eklatant versagt.

dpa

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