Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Eurovision - Lena in Düsseldorf In Düsseldorf beginnt die heiße Phase vorm Eurovision Song Contest
Nachrichten Panorama Themen Eurovision - Lena in Düsseldorf In Düsseldorf beginnt die heiße Phase vorm Eurovision Song Contest
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:34 02.05.2011
Von Imre Grimm
Hunderte Mitarbeiter haben die Düsseldorfer Fußballarena in das größte Fernsehstudio der Welt verwandelt – es kann losgehen.
Hunderte Mitarbeiter haben die Düsseldorfer Fußballarena in das größte Fernsehstudio der Welt verwandelt – es kann losgehen. Quelle: dpa
Anzeige

Die ganze Sache soll „menschlich“ bleiben, irgendwie. Das Wort hat sich ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber ausgesucht. Es soll erklären, was dieses Unternehmen ausmachen soll, diese monströse Show, die ein großer Erfolg werden kann, aber auch ein kolossaler Flop. „Menschlich“ – das ist nicht einfach angesichts dieser Zahlen: 36 000 Zuschauer im Stadion, 120 Millionen Fernsehzuschauer, 2500 Journalisten, 43 Delegationen aus den entferntesten Winkeln Europas. Die größte Musikshow der Welt.

Elf Tage sind es noch bis zum dritten Eurovision Song Contest in Deutschland nach 1957 (Frankfurt) und 1983 (München). Elf Tage bleiben dem NDR, der ARD, PRO7, der Stadt Düsseldorf und der European Broadcasting Union (EBU), um das Grand-Prix-Feuer zu entfachen. Bisher glimmt die Sache noch auf kleiner Flamme, aber: Kommt Zeit, kommt Raab. Der wird’s schon richten. Das Übrige wird man mit Penetranz erreichen: In der kommenden Woche läuft in der ARD und bei PRO7 nicht viel anderes als ESC-Rahmenprogramm. „Sobald die ersten Delegationen in Düsseldorf sind, wird das Interesse wachsen“, hofft Schreiber.

Die heiße Phase hat begonnen. Hunderte Helfer haben die Fußballarena von Düsseldorf in das größte Fernsehstudio der Welt verwandelt: mit 2200 Scheinwerfern, 25 Kameras, vier Kamerakränen, einer sogenannten „Spidercam“ an Drähten unter der Decke, einer „Highspeed“-Kamera, die auf Schienen die kreisförmige Bühne umrundet, sowie einer 65 Meter breiten und 18 Meter hohen LED-Wand. 350.000 Watt werden die 43 Songs der Kandidaten noch in die entferntesten Winkel der Arena tragen. Stoffbahnen unter der Decke sollen den lästigen Nachhall in dem riesigen Gebäude mindern. Mehr als 100 Firmen sind im Einsatz. Gesamtetat: 25 Millionen Euro. 12,1 Millionen Euro kostet der Spaß die ARD, etwa die gleiche Summe wird durch Ticketverkäufe aufgebracht.

Zahlen, Daten, Fakten – aber wie soll es gelingen, aus dieser Materialschlacht eine sympathische, „menschliche“ Party zu machen, eine mediale Visitenkarte des Gastgeberlandes? „Der Kern des künstlerischen Konzeptes ist, in dieser Größe Nähe herzustellen“, sagte Schreiber der „FAZ“. „In Moskau 2009 hatte die Bühne einen Durchmesser von 30 Metern. Patricia Kaas sah aus wie eine Ameise auf einer Glasplatte. Das sind keine humanen Dimensionen. Unsere Bühne ist im Durchmesser 13 Meter groß.“ Am Montag haben die Proben begonnen, als Erste betrat die polnische Sängerin Magdalena Tul die Bühne. Sie sah nicht aus wie eine Ameise, aber die Halle ist immer noch verdammt groß. Die Telenor-Arena in Oslo hatte 20.000 Plätze. Und da war Lena schon sprachlos, als sie ins weite Rund blickte („Puh...“).

38 Nationen müssen sich in zwei Halbfinals (10. und 12. Mai) erst noch fürs Finale qualifizieren – anders als die fünf größten EBU-Beitragszahler Deutschland, England, Spanien, Frankreich und Grand-Prix-Rückkehrer Italien. Am Freitag trifft dann Lena mit der deutschen Delegation in Düsseldorf ein. Am Sonnabend steigt sie ins Probengeschehen ein, zur Zeit macht sie Urlaub und erholt sich von ihrer Livetour, die am Freitag in Köln endete. Rund 65 000 Menschen haben sie live auf der Bühne gesehen. Künstlerisch und kommerziell war die Tour – allem medialen Gegenwind zum Trotz – ein Erfolg. „Die Tour fühlte sich anders an, weil es kein Wettbewerb war“, sagt Lena. „Es ging einfach nur um Musik, das war total gut.“

Das wird anders sein in Düsseldorf. Die ESC-Formel lautet traditionell: 40 Prozent Sport, 30 Prozent Musik, 20 Prozent Politik und zehn Prozent Nonsens. Lenas Favoriten? Das irische Zwillingspärchen Jedward mit „Lipstick“ („Das Lied ist toll, dazu muss man einfach tanzen“) und die wiedervereinte, in Würde gealterte britische Boyband Blue mit „I Can“, für die Lena schon als kleines Mädchen schwärmte („Ich fand die cool, besonders Simon und Duncan“).

Die nationale Lenamania von 2010 ist nicht reproduzierbar. Am Ende aber war auch in Oslo nicht entscheidend, dass sich Deutschland Hals über Kopf in dieses lustige Mädchen mit Nerdbrille und Hipster-Sprache verknallt hatte. Viel wichtiger waren (und sind) Tagesform und Titel. Keiner der 42 Herausforderer ist unschlagbar, ein Top-Ten-Platz sollte für „Taken By A Stranger“ drin sein – und wäre ein Erfolg. „Kann sein, dass das mit der Titelverteidigung eine Scheißidee war“, sagte Raab – ungewohnt kleinlaut – im Februar laut „Spiegel“. Kann sein, kann auch nicht sein. Die Antwort gibt’s in elf Tagen, am 14. Mai, kurz nach Mitternacht.