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Eurovision - Lena in Düsseldorf Lena will noch dieses Jahr auf Akustik-Tournee gehen
Nachrichten Panorama Themen Eurovision - Lena in Düsseldorf Lena will noch dieses Jahr auf Akustik-Tournee gehen
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10:16 13.05.2011
Lena Meyer-Landrut macht in Düsseldorf die ersten Pläne für die Zeit nach dem ESC.
Lena Meyer-Landrut macht in Düsseldorf die ersten Pläne für die Zeit nach dem ESC. Quelle: dpa
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Na, alles wie neulich? Oder was ist anders als in Oslo? Innerlich und äußerlich?

Äußerlich: längere Haare und mehr Schminke. Und innerlich? Da stresst es mich ein bisschen, dass so viel deutsche Presse hier ist. Bei vielen von denen habe ich das Gefühl, dass nichts einfach mal cool sein kann. Heute hat eine Zeitung geschrieben, dass ich bei unserer Party neulich auf dem Rheinschiff total nölig war, mit keinem gesprochen habe und dann auch noch heulend das Boot verlassen habe.

Das stimmt nicht. Wir waren da.

Das ist so schade. Ich bemühe mich echt. Und trotzdem glauben viele Leute natürlich, was da in den Zeitungen steht. Da stehe ich zum Beispiel auf diesem Boot, und der Franzose singt, und ein Sänger von Blue kommt neben mich, und ich sage zu ihm: „Ach, ist das schön, und so ergreifend! Guck mal, ich habe Gänsehaut.“ Und sofort drehen sich alle Kameras zu uns um und schießen drauflos. Und ich sage: „Vielleicht, ganz eventuell, sind wir morgen verheiratet.“ Ich nehme das alles mittlerweile mit Humor. Es geht nicht anders.

Viele verstehen dich nicht?

Es ist lustig. Gestern habe ich einem Journalisten erzählt, dass ich einen Hund bekomme, der soll Fuzzi heißen. Und dann hat er gefragt: „Datest du jemanden zur Zeit?“, und ich habe ihm erzählt, dass er jetzt der Erste sein wird, der das erfährt: Ich bin seit eineinhalb Jahren total glücklich vergeben. Das ist die Wahrheit. Und was steht am nächsten Morgen in der Zeitung? „Lenas Hund soll Fuzzi heißen“.

Hast du hohe Erwartungen an dich selbst hier in Düsseldorf?

Ja. Ich will auf jeden Fall zufrieden mit mir sein. Die erste Probe fand ich schon gut, die zweite dann noch besser. Nur dieses schwarze Haarteil am Kopf musste weg, das ging gar nicht.

Bist du ehrgeiziger oder Stefan Raab?

Stefan!

Du bist hier ganz ohne ihn unterwegs, hast auch deine Pressekonferenz allein absolviert. Hast du dich von ihm emanzipiert?

Er gehört als Moderator ja nicht mit zur Delegation. Ich bin aber weiterhin der Meinung, dass Stefan und ich ein gutes Team sind. Alleine ist es natürlich anstrengender, aber dafür rede ich die ganze Zeit!

Du bist ja auch Gastgeberin hier. Was bedeutet das für dich?

Mir ist wichtig, dass die anderen Delegationen mit einem guten Gefühl wegfahren. Ich fänd’s super, wenn die Deutschen über den ESC ein bisschen mit Nettigkeit und Höflichkeit assoziiert werden würden. Das war in Norwegen so toll.

Kleine Bilanz deiner Livetour: Neun Städte, 70 000 Zuschauer. Wie wichtig war das für dich: zu erleben, dass du das kannst?

Es war so wichtig. Ich hab das Gefühl, ich bin so krass daran gewachsen. Ich habe so viel gelernt und aufgesogen. Die Tour war einfach geil. Wir waren alle so traurig, als es vorbei war, wir waren gerade erst so richtig im Groove miteinander. Es war eine verrückte Truppe, alle total unterschiedlich: vier russische Streicherinnen, meine Band als Mittvierziger-Männertruppe, dazu die Backgroundsängerinnen und ich, dann hatten wir vier afroamerikanische Tänzerinnen...

Wenn es so schön war: Gibt es Pläne für eine neue Tour?

Ja, die gibt es. Wir denken darüber nach, gegen Ende dieses Jahres auf eine Akustik-Tour gehen. Mit einer kleineren Truppe, aber mit ein paar mehr Konzerten. Ist aber noch nichts gebucht.

Die Teilnehmer, aber auch die Besucher beim ESC sind deutlich jünger geworden, seit du gewonnen hast. Wie fühlt sich das an, wenn man einen so traditionsreichen Wettbewerb mit 120 Millionen Fernsehzuschauern verändert hat?

Geil. Ich finde Veränderung immer erst mal nicht so schlecht.

Könnte man nicht den Bundesvision Song Contest, den Raab einst als Gegenentwurf zum ESC erfunden hat, einfach zum offiziellen deutschen Vorentscheid umdeklarieren?

Stimmt. Wieso ist da noch keiner drauf gekommen?

Wen würdest du denn selbst gerne mal für Deutschland beim ESC sehen?

Dendemann (lacht). Oder Samy Deluxe.

Nicole singt gerade beim „Airport Grand Prix“ hier in Düsseldorf. In 20, 30 Jahren bist du selbst „die ehemalige ESC-Siegerin Lena“. Würdest du auch auf irgendwelchen Schlagerbooten auftreten. Oder beim Airport Grand Prix?

Erst mal würde ich schreien: „Nein, nein!“ Wie in so ’nem Albtraum: „Neeeein...!“

Am Montag ist der ESC Vergangenheit. Was passiert dann mit dir?

Ich werde mich zwei bis drei Monate ausruhen. Ich will jetzt erst mal zu Hause sitzen und überlegen: Wer bin ich, was ist mein Leben, was will ich? Wo stehe ich? Was möchte ich in drei bis vier Jahren machen? Und darüber möchte ich jetzt erst mal ein bisschen nachdenken.

Was denkst du: Wo wärst du heute, wenn du bei „Unser Star für Oslo“ nicht gewonnen hättest?

Vielleicht an der Schauspielschule in Berlin. Vielleicht würde ich aber auch studieren. Philosophie und Theologie interessieren mich total, einfach von den Themen her. Ernsthaft.

Das würde an deine Erfahrungen mit Taizé anschließen.

Richtig. Aber was ich auch cool fände, wären Sprachwissenschaften, Spracherziehung oder so. Ich werde das in Ruhe überlegen.

Was meinst du: Könntest du dir nicht eine Menge medialen Gegenwind ersparen, wenn du ein bisschen mehr von deiner Verletzlichkeit zeigen würdest?

(leise) Das mache ich total oft. Das schreibt nur einfach keiner. Ich sage das dauernd. Ich weiß nicht, warum man das ignoriert. Ich glaube inzwischen, dass die Leute das Bild der heilen Welt einfach brauchen, um es dann zerstören zu können.

Interview: Imre Grimm und Jan Sedelies