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Eurovision - Lena in Düsseldorf Lenas Grand-Prix-Lied wird ausgesucht
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09:08 18.02.2011
Lena gegen Lena: Am Freitagabend wird Lenas Grand-Prix-Lied gewählt.
Lena gegen Lena: Am Freitagabend wird Lenas Grand-Prix-Lied gewählt. Quelle: dpa
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Es ist ein scheinbares Paradox: Lenas Album steht auf Platz eins der Charts, aber die Quoten ihrer Grand-Prix-Vorentscheide sind schwach. Das kann nur bedeuten: Die Leute finden ihre Musik durchaus gut, aber deshalb akzeptieren sie noch lange keine Casting-Show, bei der nur eine einzige Kandidatin zur Auswahl steht.

Alles, was die Fernsehzuschauer an diesem Freitagabend in der ARD aussuchen dürfen, ist „Unser Song für Deutschland“, also das Lied, mit dem Lena am 14. Mai in Düsseldorf antritt.

„Mission Titelverteidigung“ nennt das der Mann, der bei diesem Projekt alles im Alleingang entscheidet, der Ex-Jesuitenschüler, Ex-Metzgergeselle, Ex-Jingle-Produzent und amtierende Gaga-König Stefan Raab. Er pflegt seine Geistesblitze nicht erst abzuklopfen und abzusprechen. Die Lena-macht-das-nochmal-Idee verkündete er einfach ganz spontan im Fernsehen.

Die ARD-Intendanten dürften es geahnt haben, als sie den Pakt mit dem Raab schlossen: Der Alleinentscheider und die öffentlich-rechtliche Gremiendemokratie sind eigentlich nicht kompatibel, weil er sich nirgendwo reinreden lässt. Darum musste die Not ja auch erst riesengroß sein, bevor die Sendergewaltigen der ARD ihr Heil bei dieser Ikone des Privatfernsehens suchten.

Köln ist der Sitz vieler Fernsehsender. Der WDR residiert direkt am Dom in der Innenstadt. RTL hat ein piekfeines Sendezentrum am Rhein in den denkmalgeschützten ehemaligen Messehallen bezogen. Und Raabs Brainpool-Studios: Wie kommt man dahin? Erst mal ziemlich weit mit der U-Bahn bis zur Keupstraße fahren, bekannt als Klein-Istanbul, und dann beim Türken an der Ecke links.

Die Studios wirken in etwa so schmuddelig wie Raabs Image in seiner Anfangsphase. Aber das sollte man nicht als Schwäche, sondern als Stärke begreifen. Trotz all seiner Erfolge hat Raab den Bodenkontakt nicht verloren. Er mag sein Publikum. Den Beweis dafür liefert er in den Werbepausen von „TV Total“: Um die Zeit zu überbrücken, läuft er dann für die Studiogäste mitunter zu großer Form auf, imitiert Schlagerstars und improvisiert Wunschmelodien. Kurioserweise ist das viel unterhaltsamer als alles, was er anschließend vor der Kamera abzieht.

Raab bleibt dabei, dass er auch diesmal wieder das richtige Gespür gehabt hat. Lenas Titelverteidigung mache den Grand Prix doch viel interessanter: „Jetzt gibt es sozusagen einen Gejagten, einen FC Bayern.“ Das mag für den Eurovision Song Contest selbst gelten, aber wohl weniger für den Vorentscheid, bei dem Lena gegen Lena antritt.

Der Noch-Feuilletonchef der Wochenzeitung „Die Zeit“, Florian Illies („Generation Golf“), zieht daher einen anderen Bayern-Vergleich: „Das wäre in etwa so, wie wenn in der Fußball-Bundesliga dieses Jahr nur Bayern München gegen Bayern München spielen würde, weil sie letztes Jahr doch so überzeugend Meister geworden sind.“

Der NDR-Intendant Lutz Marmor nimmt seinen ungleichen Partner in Schutz: „Sie müssen doch sehen, dass Stefan Raab schon derjenige war, der diesen Erfolg möglich gemacht hat.“ Das Wichtigste sei jetzt nicht eine möglichst hohe Einschaltquote, sondern das optimale Lied für Lena.

Falls es eine der beiden Raab-Kompositionen wird, die noch im Rennen sind, wird er auf die Moderation des Eurovision Song Contest verzichten müssen - so sind die Regeln. Er wird dann kurz mit den Zähnen knirschen - großen Zähnen, wie man weiß -, aber im übrigen gilt: „Ich freue mich auf die Aufgabe, die dann auf mich wartet. Man muss im Leben flexibel sein.“ Und was soll man sagen: Man glaubt es ihm sogar.

dpa

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