Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Katastrophen in Japan Tepco will AKW in Fukushima bis Jahresende sichern
Nachrichten Panorama Themen Katastrophen in Japan Tepco will AKW in Fukushima bis Jahresende sichern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:21 17.04.2011
Tepco erwägt, seine Anteile am japanischen Telekommunikationskonzern KDDI zu verkaufen, um die Entschädigungen an die Opfer der Atomkrise zahlen zu können. Quelle: dpa
Anzeige

Die beschädigten Reaktorgebäude sollen dann in sechs bis neun Monaten abgedeckt werden. Die Regierung wies den Atombetreiber an, den Fahrplan schnell und zuverlässig umzusetzen.

Tepco war von Regierungschef Naoto Kan angewiesen worden, einen Fahrplan für die Bewältigung der Katastrophe vorzulegen. Katsumata entschuldigte sich bei der Öffentlichkeit erneut für den Unfall. Die Regierung strebe an, in sechs bis neun Monaten mitteilen zu können, ob ein Teil der örtlichen Bevölkerung wieder in ihre Wohnorte zurückkönne, sagte Wirtschafts- und Industrieminister Banri Kaeida.

Anzeige

Unterdessen sicherte US-Außenministerin Hillary Clinton Japan die weitere Unterstützung der USA zu. Man werde alles tun, um Japan in der Atomkrise zu helfen, sagte Clinton in Tokio. Sie sei sich sicher, dass Japan „seine sehr starke Position in der Welt“ wieder einnehmen werde, sagte die US-Chefdiplomatin. Die USA hätten nach dem Erdbeben und Tsunami vom 11. März eine „riesige Unterstützung“ geleistet, sagte ihr Kollege Takeaki Matsumoto. Japan werde über den Kriseneinsatz offen informieren.

Clinton war am Sonntag aus Seoul kommend zu einem halbtägigen Besuch in Tokio eingetroffen. Die USA helfen Japan unter anderem mit Zehntausenden Soldaten und Rettungskräften sowie Atomexperten. Atomkraftwerksbetreiber Tepco setzt inzwischen ferngesteuerte Roboter ein, um die Strahlendosis, Temperatur und Sauerstoffkonzentration in den Reaktoren zu messen. Vorerst konzentrierten sich die Einsatzkräfte darauf, eine Wasserstoffexplosion in den Reaktoren 1, 2 und 3 zu verhindern, indem Stickstoff hineingepumpt werde. Ein weiterer Schwerpunkt in der nächsten Zeit bestehe darin, ein weiteres Auslaufen radioaktiv verseuchten Wassers in die Umwelt zu unterbinden. Im Meer nahe einem Abfluss der Anlage werde das Mineral Zeolith eingesetzt, teilte Tepco am Sonnabend mit. Das Zeolith soll radioaktive Substanzen absorbieren. Zeolith wird in der Industrie für vielfältige Zwecke eingesetzt, auch in der Verarbeitung radioaktiver Abfälle. Das Mineral wurde auch bei anderen Atomunfällen verwendet, unter anderem nach der Katastrophe im US-Atomkraftwerk Three Mile Island im Jahr 1979.

Tepco erwägt unterdessen, seine Anteile am japanischen Telekommunikationskonzern KDDI zu verkaufen, um die Entschädigungen an die Opfer der Atomkrise zahlen zu können. Wie die Wirtschaftszeitung „Nikkei“ am Sonntag meldete, steht Tepco bereits mit KDDI in dieser Sache in Kontakt. Der Betreiber der Atomruine in Fukushima hält derzeit rund 360.000 Aktien an KDDI und ist mit einem Anteil von acht Prozent der drittgrößte Anteilseigner nach Kyocera und Toyota. Die Anteile haben laut Nikkei einen Marktwert von 180 Milliarden Yen (1,5 Milliarden Euro). Es sei Tepcos zweitgrößtes Aktienpaket überhaupt.

Die Regierung von Ministerpräsident Naoto Kan hatte bereits angekündigt, für eine erste Phase des Wiederaufbaus mehr als vier Billionen Yen (rund 33 Milliarden Euro) zur Verfügung stellen zu wollen. Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau von Häusern, Industrieanlagen und Infrastruktur wie Straßen und Brücken schätzt die Regierung aber auf das Vier- bis Sechsfache.

dpa