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Lena - Unser Grand-Prix-Star Die Lena-Festspiele haben begonnen
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00:21 01.02.2011
Lena schlüpfte in sechs verschiedene Outfits – „soll sich ja keiner langweilen“ - und arbeitete sich pannenlos durch die zweieinhalbstündige Show.
Lena schlüpfte in sechs verschiedene Outfits – „soll sich ja keiner langweilen“ - und arbeitete sich pannenlos durch die zweieinhalbstündige Show. Quelle: dpa
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Alle Bedenken waren vorgetragen, Pro und Kontra waren ausgetauscht. Nach Wochen voller Spekulationen, nach viel Kritik an den Unwuchten in der Machtverteilung zwischen PRO7 und der ARD, nach nöligen Netzkommentaren und nervösen ARD-Gremien, tat die 19-Jährige in der ersten Ausgabe der Liveshow „Unser Song für Deutschland“ auf PRO7 am Montagabend wieder das, was sie am Besten kann: Unterhalten, Singen, entkrampfend wirken.

Jetzt endlich läuft das „Unternehmen Titelverteidigung“. Runde zwei für Lena Meyer-Landrut – Lenamania reloaded.

Es gebe gar „keine andere Möglichkeit“, als Lena ein zweites Mal ins Rennen zu schicken, hatte Stefan Raab am Tag nach dem Sieg in Oslo gesagt – „moralisch, musikalisch und ethisch“. Breites Grinsen. Die ARD-Chefs hatten geschluckt, aber was sollten sie auch sagen nach einer 28-jährigen Durststrecke ohne deutschen Grand-Prix-Sieg, nach diesem Triumphzug mit 264 Punkten aus ganz Europa?

Mission Lena 2.0 also – eine Schnapsidee, geboren aus dem Überschwang der Siegesnacht in Norwegen? „Alter Finne“ – alter Hut? Nein, sagte Raab am Montag vor der Sendung in Köln. „Was ist eine Weltmeisterschaft ohne den amtierenden Weltmeister?“ Aufhören, wenn es am Schönsten ist? Nicht mit Raab. „Beim Song Contest gibt es jetzt einen Gejagten, einen FC Bayern“, sagt er, und der Gedanke gefällt dem 44-Jährigen, dem ohnehin alles Kompetitive liegt.

Aber ein Vorentscheid ohne echten Entscheid? Ein Grand-Prix-Präludium, bei dem die Siegerin bereits feststeht? Ist das nicht genauso spannend wie „Titanic“, wo ja auch jeder weiß, wie’s ausgeht? Es gehe ja nicht nur um die Sängerin, sondern um die Gesamtkomposition, sagt Raab, der als Jurypräsident mit Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß und dem „Grafen“ (bügerlich Bernd Heinrich Graf) von Unheilig auch zwei eigene Titel zu bewerten hatte, von denen es nur einer in die nächste Runde schaffte. „Die Synthese zwischen Lena und dem Song muss stimmen. ,Satisfaction' zum Beispiel ist ein toller Song, aber gesungen von Whitney Houston wäre er nix.“

Die Sendung folgte dieser Ansage. PRO7 drückte gleich mal mächtig auf die Drüse („In jener Nacht in Oslo wurde aus einem Traum Realität...“), und das, was das Team dann ablieferte, war eine Art Werkstattbericht mit Goldkante. Zwischen den ersten sechs Liedern aus Lenas neuem Album „Good News“, das am 8. Februar erscheint, gab es Einblicke in die Studioarbeit, dazu Porträts der jeweiligen Komponisten. Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich führten souverän durch den Abend. Aus bis zu 600 Titeln hatte sich Lena das „Passende“ ausgewählt und mit Raab und dessen Hausband, den Heavytones, in Form gebracht.

Musikalisch vielseitiger als auf „My Cassette Player“ präsentierte sich Lena, ganz eindeutig mit kräftigerer, geschulterer Stimme. „Wir hatten mehr Zeit“, sagt sie, und das konnte man hören.

Drei Songs wählten die Zuschauer gegen 22.30 Uhr ins Finale am 18. Februar in der ARD: „Maybe“ - einen radio- und Song-Contest-tauglichen Feelgood-Song „wie eine Wolke“ (Lena), der nach Paul McCartney und Robbie Williams klang. Dazu eine sehr coole, düstere Mystery-Elektronummer im Stil der Walkabouts („Taken By a Stranger“) - klarer Hallenfavorit. Und das äußerst lenaeske „What Happened To Me“, von Lena selbst ins iPhone eingesungen und von Stefan Raab im Studio aufgepeppt. „Das ist die Lena, immer noch“, sagte Mitjurorin Stefanie Kloß. "Ich bin mit der Auswahl sehr zufrieden", sagte Raab hinterher. Ob "Taken By a Stranger" die Finalshow in der ARD überstehen werde, sei aber doch ziemlich offen.

Nicht gewählt wurden „I Like You“, eine doch allzu leise Unplugged-Ballade im Stil von Norah Jones (Raab: „Balladen haben's halt schwer beim Contest, wenn der Ukrainer mit der Flex kommt“), „Good News“, ein leichter, kalifornischer Sunshine-Song, und „That Again“, eine loungig-jazzige Bigband-Nummer aus der Feder von Stefan Raab. Fast schien es, als habe sich das Team die ganz starken Titel noch für die zweite Runde am 7. Februar aufgehoben. Ein zweites „Satellite“ war am Montag noch nicht dabei. Von den sechs Titeln, die im Finale landen, wählen die Zuschauer dann ihren Favoriten, mit dem Lena am 14. Mai in Düsseldorf antreten wird.

Lena schlüpfte in sechs verschiedene Outfits – „soll sich ja keiner langweilen“ - und arbeitete sich pannenlos durch die zweieinhalbstündige Show. Ein souveräner, unangestrengt wirkender Kraftakt. Motivierend dürfte die Nachricht gewirkt haben, dass ihr am Sonnabend, 5. Februar, die „Goldene Kamera“ verliehen wird.

Natürlich entfacht „Unser Song für Deutschland“ nicht dieselbe hypnotische Wirkung wie „Unser Star für Oslo“. Natürlich ist eine aufgewärmte Liebe immer weniger spektakulär als der emotionale Urknall selbst.

Fairerweise muss man aber sagen: Bei der Liebesaffäre zwischen Lena und Deutschland ging es 2010 um mehr als ein Lied. An der damals 18-Jährigen kristallisierten diverse Sehnsüchte der Deutschen. Es ging um ihr Verhältnis zu sich selbst und zu Europa. Das Land der Golf-Fahrer entdeckte sein Talent zum Anderssein, zur Schrägheit, und Hannover, für viele die deutsche Hauptstadt der Eigenschaftslosigkeit, war auf einmal cool. Diese Komponente fehlt in Runde zwei natürlich.

Aber Fakt ist auch: Deutschland hat den ESC 2010 nicht wegen der nationalen Lenamania gewonnen, sondern weil es eine starke Entertainerin mit einem originellen Popsong ins Rennen schickte. Es spricht manches dafür, dass das wieder gelingen könnte.

Vor dem „Dschungelcamp“ jedenfalls, sagte Raab, müsse sich Lena nicht fürchten – so oder so. „Dazu hat sie zu viel Talent.“

Imre Grimm