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Lena - Unser Grand-Prix-Star Lena: "Ich finde meinen Job total geil"
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19:09 07.11.2010
Von Imre Grimm
Lena Meyer-Landrut Quelle: Martin Steiner
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Bei unserem letzten Interview hast Du gerade Nietzsche gelesen. Hast Du das Buch durch?
Lena: Schon längst! Zwischendurch hab ich Max Goldt gelesen und „Splitter“ von Sebastian Fitzek, als nächstes lese ich das neue Buch von Ralf Husmann, „Vorsicht vor Leuten!“. Sehr lustiger Mann.

2011 wird ein entscheidendes Jahr für Dich: Neues Album, die Tour, dann der Eurovision Song Contest im Mai in Düsseldorf. Hast Du ein bisschen Angst davor? Oder Respekt?
Angst nicht, Respekt natürlich schon. Aber genau genommen mache ich ja im nächsten Jahr außer der Tour, die bestimmt wahnsinnig aufregend wird, nichts Neues.

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Doch: Du drehst die Runde zum zweiten Mal. Also ist es neu.
Absolut, das stimmt. Aber ich habe keinen Bammel davor. Ich konnte in den letzten Wochen ganz, ganz viel Kraft sammeln, und das ist echt gut. Ich hatte oft frei. Und mittlerweile ist es schon wieder so, dass ich denke: Oh Gott, ich muss endlich wieder los! Ich muss was machen! Ich muss wieder arbeiten!, und das ist ein gutes Gefühl, wieder Kraft zu haben. Ich hab jetzt total Bock auf das neue Album. Dafür haben wir deutlich mehr Zeit als für das letzte Album, was wir ja in Windeseile gemacht haben.

Nummer zwei soll im Januar oder Februar erscheinen. Wie ist der Stand der Dinge?
Wir sind in der Hochphase. Wir haben die Lieder, ein paar Sachen werden noch geändert, und in den nächsten Wochen werden sie dann aufgenommen.

Was für ein Album wird das? Mehr Party wie „Satellite“ oder nachdenklicher wie „We can’t go on“?
Mehr so dazwischen. Es wird nicht das zweite „My Cassette Player“, aber es wird jetzt auch nicht völlig das Gegenteil. Ich hatte Bock, auch ein bisschen rumzuexperimentieren. Es wird ...
(Im Hintergrund erklingt „Satellite“) Da, der Satellit! Eben lief schon „Touch a new Day“.

Du bis zum zweiten Mal bei „Wetten, dass...?“, Du bist häufig auf Galas, in Shows, musst Smalltalk machen, und dann kommt Carlo von Tiedemann und küsst Dich und will ein Foto, und Du kennst ihn aber gar nicht. Findest Du das doof? Oder normal?
Nä. Ich finde das nicht normal. Aber auch nicht doof. Man findet sich so ein bisschen damit ab, dass es so ist. Nicht so schlimm. Ich bin dann ja quasi geschäftlich da, auf Geschäftsreise …

Es gehört dazu.
Ja. Es ist mein Job. Ich will ja auch mit ein paar Leuten reden, ich hab zum Beispiel beim Deutschen Radiopreis mit Reiner Calmund geredet, das war total lustig, zu dem bin ich hingelaufen und hab gesagt: Hallo, ich wollte nur mal Hallo sagen. Das war sehr nett.

Was magst du denn am Starsein?
Ich finde meinen Job total geil. Gott sei Dank. Ich kann das mit richtig gutem Gewissen sagen.

Auch wenn Du, wie bei „Wetten, dass...?“, nicht singst, sondern nur auf dem Sofa sitzt und Werbung für Deinen Film machst?
Ja, voll.

Überlegst Du Dir für Smalltalk vorher Themen?
Nein. Nie.

Du guckst immer, was kommt?
Ja.

Kommt immer was?
Meistens ja.

Und wenn nichts kommt?
Dann sage ich nichts.

Das geht?
Ja, schon. Ich bin nicht sehr ängstlich. Ich krieg’ das hin. Ich denke immer: „Lena, Du machst dat schon.“ Ich mache mich deswegen nicht verrückt. Das liegt mir einfach. Das Einzige, was anstrengend ist, ist, wenn man den Job gerade nicht macht, und trotzdem damit konfrontiert wird.

Wenn Du von Fans erkannt wirst.
Zum Beispiel. Denn wenn ein Architekt zwölf Stunden in seinem Büro sitzt und „architektiert“ ...

… oder so …
… dann kommt der ja nicht nach Hause und malt zu Hause weiter.

Wir spielen jetzt ein Spiel. Bitte vervollständige die folgenden Sätze.
Okay.

„Karneval in Köln finde ich …“
… einen Ausflug woandershin wert.

„Beim Deutschen Fernsehpreis bin ich vor Stefan in die Knie gegangen weil …“
… ich mir das so überlegt habe. Weil ich das richtig fand.

„Wenn ich abends die Tür hinter mir schließe, freue ich mich auf …“
… die Glotze. Und als erstes mache ich immer den CD-Player an. Im Moment höre ich viel Asa und Absynthe Minded.

„Geld bedeutet für mich …“
… Sicherheit.

„Das absurdeste Thema, zu dem ich mich öffentlich äußern sollte, war …“
… was ich für eine Diät mache. Das war eines dieser Boulevard-Magazine.

„50-jährige Männer, die im Internet ihre ‘Liebe’ zu mir bekennen, finde ich …“
… (überlegt). Vielleicht: einsam.

„Aus meinem früheren Leben vermisse ich, …“
… immer einen vollen Kühlschrank zu haben. Zuhause geht Mutti immer einkaufen, und jetzt denke ich immer: Ach Scheiße, Mittwochabend, 23.30 Uhr: Ich hab nichts. Ich hab Hunger.

„Als ich hörte, dass Alexander Rybak Depressionen hatte, da dachte ich ...“
… ach, der Arme. Warum macht er’s denn bloß öffentlich? Das würde ich absolut nicht tun, wenn ich Depressionen hätte. Auch wenn ich einen normalen Job hätte, würde ich nicht durch die Stadt rennen und sagen: Hallo, ich habe Depressionen. Aber wenn er meint, dass das für ihn hilfreich ist, dann ist das bei ihm vielleicht so. Bei mir aber nicht.

„Wenn Lena eine Marke wäre, stünde sie für ...“
… Tierliebe. Ich liebe Tiere. Ich habe früher immer „Tiere suchen ein Zuhause“ geguckt, wo dann so zwei Frauen auf Heuballen sitzen und sagen: „Das ist der süße Struppi. Struppi, bleib hier! Ach guck mal, jetzt pisst er.“ Und ich hab auch immer „Hund Katze Maus“ und „Der Tierdoktor“ geguckt.

Danke. Was ist denn mit dem „großen schwarzen Hund“, von dem Du träumst?
Ich würde mir gern einen anschaffen. Ich präferiere einen richtig großen Bären.

Einen Bären? Schwarzbär oder Grizzly?
Na, so’n Hundbär. Aber der passt wohl nicht in meine Butze in Köln.

Der wäre auch sicher stärker als Du.
Den würde ich dann erziehen! Wahrscheinlich hole ich mir aber so einen Kleinen, einen Yorkshire Terrier, so’n süßen.

Themawechsel. Zehntausende Menschen demonstrieren im Wendland gegen Atomkraft. Hast Du eigentlich eine Meinung zum Castor-Transport?
Absolut. Aber die sage ich nicht. Das finde ich überflüssig. Ich hab dazu eine Privatmeinung, aber ich muss mich nicht politisch äußern. Ich bin ja kein Politiker. Ich bin ja auch nicht der Typ, der sich auf den Marktplatz stellt und schreit: „Jesus lebt! Höret meine Botschaft!“ Ich fühle mich nicht in der Position, Botschaften zu vermitteln.

Du hast mal gesagt, dass die Fans die „öffentliche Figur Lena“ gut fänden. Unterscheidest Du zwischen der öffentlichen und der nichtöffentlichen Lena?
Charakterlich unterscheide ich da nicht - aber in dem, was ich sage.

Es ist ja immer gefährlich, wenn das Bild, das andere von einem haben, ein anderes ist, als das Selbstbild.
Das ist vollkommen richtig. Da hat zum Beispiel Lady Gaga wahrscheinlich ein riesiges Problem.

Ich lese Dir jetzt drei Zitate vor, und Du könntest mir sagen, ob Du etwas damit anfangen kannst.
Okay.

Nummer eins, Maria Callas: „Wir schuften jahrelang, um bekannt zu werden, und wenn der Ruhm uns schließlich überallhin folgt, sind wir dazu verdammt, uns ständig als würdig zu erweisen, um das Publikum nicht zu enttäuschen, das von seinen Idolen Wunder erwartet.“
Ja, damit kann ich etwas anfangen. Ich glaube, es ist einfach wichtig, dass man von sich selber nicht zu viele Wunder erwartet.

Nummer zwei, Romy Schneider: „Sissi hing an mir wie ein Klotz am Bein. Sissi lächelte selig, wenn ich Lust hatte zu weinen und zu leiden. Sie pappte an mir wie Grießbrei.“
Die arme Frau. Womit könnte man das vergleichen? Vielleicht damit, dass ich immer die Frau sein werde, die damals den Eurovision Song Contest gewonnen hat, dass ich immer damit identifiziert werde. Aber das ist für mich noch nicht negativ.

Nummer drei, Erica Jong: „Vor drei Jahren noch hätte ich bereitwillig gemordet für das, was ich jetzt besaß. Ich hatte Schriftsteller beneidet, die gedruckt wurden. Ich hatte sie für unkränkbare Halbgötter gehalten, mit einem unerschöpflichen Vorrat an Liebe und Selbstvertrauen ausgestattet. Jetzt lernte ich die andere Seite dieser schmeichelnden Spiegel der Berühmtheit kennen. Es sind dies die Zerrbilder der Presse, von Unbekannten, die ihre Phantasien und Frustrationen auf dich projizieren, Zerrbilder all der Leute, die dich beneiden und sich gern an deine Stelle denken.“ Ach Mensch, das ist aber sehr negativ. Ach Mann. Das ist mir zu negativ. Da muss ich ja fast weinen, die arme Frau.

Kommen wir zu der Tour im nächsten Jahr. Hast Du mal überlegt, in Hannover vielleicht lieber dreimal im ausverkauften Capitol statt am 14. April einmal in der TUI Arena zu spielen? Nee. Das wäre ein missverständliches Zeichen. Das läuft alles schon ganz gut so.

Hast Du schon eine Band für die Tour? Ist im Entstehen.

Die Heavytones aus Stefan Raabs „tv total“? Das ist alles noch nicht in trockenen Tüchern.

Hast Du Dir die Arena in Düsseldorf schon mal angeguckt? Nee. Ich war noch nicht in Düsseldorf.

Und wie hast Du die Entscheidung aufgenommen, dass der Grand Prix in Düsseldorf über die Bühne geht? Als man mich vorher fragte, welche Stadt ich bevorzugen würde, da habe ich halt Berlin gesagt, weil’s als Hauptstadt repräsentativ wäre. Und da gab’s dann ja richtige Hasskampagnen gegen mich – gerade hier in Hannover, was ich total krass fand! Hitradio Antenne und ffn haben „Satellite“ boykottiert. Ich fand das richtig, richtig ungerecht. Inzwischen denke ich: Ich habe mit dieser Entscheidung nichts zu tun. Ich hab die ja nicht getroffen. Und jetzt sage ich mir: „Leni, et is ja eigentlich egal“, denn für die Außenwirkung ist das Event ja wichtig, und nicht die Stadt. Nur ein kleiner Teil der Leute erlebt das alles vor Ort mit. Wichtig ist vor allem die Halle.

Stefan Raab sucht in „tv total“ jetzt Models...
… damit hab’ ich gar nichts am Hut!

Da hättest Du also nicht mitgemacht?
Nee, niemals. Ich habe aber auch keine Modelmaße. Zu klein, und oben zu schmal und unten zu breit.

Anderes Thema: Es gibt Leute, die mögen Dich nicht, die fühlen sich durch Dich irgendwie provoziert. Was glaubst Du, was da passiert?
Ich hab neulich mal meinen Namen gegoogelt, und irgendwann kam da eine Lena-Hass-Seite bei Facebook. Ich finde das aber legitim.

Wieso ist das legitim?
Ich mag ja auch nicht jeden Menschen.

Aber Du machst keine Hass-Seite auf.
Nee, das stimmt. Ich schätze aber, das ist eine Projektion von Aggressionen. Ich find’s doof, klar find ich’s doof, richtig doof, dass Leute das machen. Aber es belastet mich nicht, weil ich das in meinem Kopf ganz gut regeln kann. Das muss keine Wichtigkeit für mich haben. Es hat keinen persönlichen Bezug zu mir.

Wenn Du in Oslo und bei Raab nicht gewonnen hättest, wenn Du Dich damals nicht beworben hättest – was würdest Du dann heute machen?
Dann wäre ich jetzt in Australien. Der Plan war, da zu arbeiten und eventuell da in eine Tanzschule zu gehen. Ich wollte im April 2011 wiederkommen.

Und Deine jetzige Lebensplanung geht erst mal nur bis Düsseldorf?
Ja. Nee, noch ein bisschen weiter. So etwa vier Monate weiter. Urlaub nämlich.

Und dann? Schauspielschule in Berlin?
Mal gucken. Wahrscheinlich eher irgendwo im Ausland.

Und was machst Du Weihnachten?
Ich bin zu Hause. Bei der Familie.

Die Tourdaten: 13.04 Berlin (O2 Arena), 14.04 Hannover (Tui Arena), 15.04 Frankfurt (Festsaal), 19.04 Dortmund (Westfalenhalle), 20.04 Hamburg (O2 World), 21.04 Leipzig (Arena Leipzig), 27.04 München (Olympiahalle), 28.04 Stuttgart (Schleyerhalle), 29.04 Köln (Lanxess Arena)