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Lena - Unser Grand-Prix-Star Lena spricht im Interview über den Druck der Medien
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11:26 28.05.2010
Lena ist überwältigt: „Das passiert nur einmal im Leben. Das ist alles ein einziger Traum." Quelle: dpa

Lena, deine besten Freundinnen und Mitschülerinnen haben dich hier in Oslo bei den Proben besucht und sind dann ohne dich aufgebrochen - zur Abschlussfahrt deines Abi-Jahrgangs nach Frankreich. Bist du traurig, nicht mitfahren zu können?

Es ist schon doof, dass ich nicht mitfahren kann. Aber mit den Leuten, mit denen ich in Kontakt bleiben möchte, werde ich auch in Kontakt bleiben. Ich bin ja nicht aus der Welt. Und ich war mit den meisten aus meinem Jahrgang ja auch schon auf Studienfahrt in Barcelona, immerhin.

Du bist ein Star. Aber denkst du nicht manchmal, wie schön es wäre, einfach nach Hannover zurückzukehren als Lena, Schülerin der IGS Roderbruch, und nicht als Superstar Lena, der Deutschland beim Eurovision Song Contest vertritt?

Auf keinen Fall möchte ich die Zeit zurückdrehen. Aber es stimmt schon: Manchmal möchte ich gern ganz einfach in die „Faust" gehen können (Anm. d. Red.: alternatives Kulturzentrum in Hannover) und tanzen, als wäre alles ganz normal, und niemand würde mich besonders beachten. Das wäre schön. Aber ich genieße die Zeit hier trotzdem sehr.

Wirklich? Nervt dich der Trubel gar nicht? Du hetzt von Empfang zu Empfang, drehst für Stefan Raabs Show „tv total" und wirst auf jedem Meter von Journalisten umlagert. Kannst du deine Rolle als Deutschlands Hoffnungsträgerin Lena noch ertragen?

Hmm. Ich bin schon manchmal ziemlich genervt. Aber nicht von mir selbst, sondern von Journalisten, die mir blöde Fragen stellen. Es sind ja nicht alle hier so nette und intelligente Menschen. Und manchmal finde ich es komisch, in der Zeitung Dinge über mich zu lesen, die ich so nie gesagt habe oder die bewusst falsch interpretiert wurden. Oder die mir gar nicht entsprechen. Aber an einem Tag steht es da geschrieben, und am nächsten Tag ist es schon wieder vergessen. Ich sage dann immer: Mit der Zeitung von heute wickelst du morgen den Fisch ein.

Was hast du in den letzten Monaten über die Medien gelernt?

Ich habe gelernt, alles überhaupt gar nicht so ernst zu nehmen. Und dass alles halb so wild ist. Man muss sich damit einfach irgendwie arrangieren. Der Trubel ist riesig, na klar, aber wer kann so was wie das hier denn schon mal erleben? Das passiert nur einmal im Leben. Das ist alles ein einziger Traum.

Aber den Wettbewerb nimmst du schon ernst, oder?

Ja! Ich nehme das alles hier sehr ernst. Für mich ist es auch Arbeit, und ich möchte mich hier musikalisch und auch als Person weiterentwickeln - aber es soll auch Spaß machen.

Was sagst du zu deinen Konkurrenten?

Alle sind nett. Finde ich alle gut.

Im Ernst?

(Lena rollt mit den Augen). Ja, klar.

Auch die merkwürdigen Holländer?

Gerade die Holländer! Ansonsten gefällt mir Jessy Matador aus Frankreich sehr - das ist voll Party! Und ich mag den Belgier Tom Dice und Filipa Azevedo mit „Há Dias Assim" aus Portugal.

Du hast neulich mit dem norwegischen Teilnehmer Didrik Solli-Tangen auf einem Segelschiff im Oslofjord „Ohne dich" von der Münchener Freiheit gesungen. Der Norweger ist professioneller Musicalsänger. Du hast in der Schule Musik abgewählt. Wie geht es dir in solchen Momenten?

Neben Didrik sah ich aus wie eine kleine Katze. Aber es war trotzdem ganz lustig. Ich halte mich selbst nicht für eine große Sängerin, aber es geht eben um das Gesamtpaket.

Was passiert, wenn du am Sonnabend gewinnst?

Ich habe keine Ahnung. Ich würde wahrscheinlich für den Rest meines Lebens „Satellite" singen. Und es gäbe eine Riesenparty nächstes Jahr in Deutschland. Das wäre hardcore. Aber ich bin nicht so der Wettkampftyp. Ich will nicht unbedingt, unbedingt gewinnen. Mein Ziel ist es, unter die besten zehn zu kommen, das wäre schon krass. Die Hauptsache ist, ich bin mit mir zufrieden.

Und nach dem Song Contest? Gehst du dann auf Tour? Die kleinen Bühnen bei den Partys hier liegen dir offensichtlich mehr als die riesige Arena.

Ja, das stimmt, ich mag die kleinen Bühnen lieber. Ob ich auf Tour gehe und ob ich dann auch ein Konzert in Hannover gebe, entscheidet sich erst Mitte Juni. Vielleicht werde ich aber auch Schauspielerin. Vielleicht etwas anderes. Alles ganz easy. Erst mal muss ich den Sonnabend überstehen.

Wie bleibst du ruhig? Was machst du in den Minuten vor dem Auftritt morgen?

Ich esse, ich trinke, ich atme. Und in dem Moment, wenn ich da draußen stehe, wenn ich anfange zu singen, denke ich nicht darüber nach, warum ich da stehe. Das ist das ganze Geheimnis.

Hast du Angst, nach diesen wilden vier Monaten, nach diesem Märchen, in ein seelisches Loch zu fallen, wenn du nach Hause kommst?

Hm. Im Moment denke ich nicht daran. Aber ich glaube nicht, dass ich in ein Loch fallen werde. Dabei sind Gewohnheiten sehr wichtig, um wieder in den Alltag zurückzufinden. Gewohnheiten bleiben ja, die verändern sich nicht, und das hilft mir, wenn das hier vorbei ist. Ich glaube, dass ich das schaffen werde.

Interview: Imre Grimm und Jan Sedelies

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